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Im deutschen Reich · 1895-10-01 · Heft 4 (Oktober 1895) · p. 178

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 4 (Oktober 1895)
Article
Umschau
Date
1895-10-01
Page
178 (sequence 5)
Language
German
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178 Im deutschen Reich. und Hatz und den niedrigsten Instinkten der Klassen" gegründeten Bewegung Zusammengehen könnten. Von ähnlichen Erwägungen geleitet hat die früher stark antisemitisch angehauchte, offiziöse „Leipziger Zeitung" jüngst eine entschiedene Absage an Stöcker gerichtet und dessen Entfernung aus der konservativen Partei verlangt. Es ist eine wahre Ironie der Thatsachen, daß sich gerade im Königreich Sachsen die konservative Parteileitung gezwungen gesehen hat, eine Verständigung mit der deutsch-sozialen Reformpartei für die bevorstehenden Landtagswahlen endgültig abzulehnen und deshalb von dm Anhängern des Reichstagsabgeordneten Zimmermann auf's Rücksichtsloseste bekämpft wird. Das Organ dieses Führers der Deutsch-Sozialen, die „Deutsche Wacht", wagte kürzlich zu behaupten: „Die sächsischen konservativen Kreise unter der Führung der Königl. „Leipz. Ztg." arbeiten offenbar auf die Preisgabe des Antisemitismus hin, um für die Liberalen und das Centrum kartellfähig zu werden." Als Antwort darauf erfolgte ein Leitartikel des amtlichen „Dresdener Journals", in welchem gesagt wird: „Planmäßige Aufhetzung der unteren gegen die oberen, der ärmeren gegen die wohlhabenderen Bevölkerungsklassen, weitgehende Verdächtigung von Maßnahmen der Regierung, skrupelloses, mit den thatsächlichen Verhältnissen in grellstem Widerspruch stehendes Behaupten, alles ändern und bessern wollen und endlich eine in hohem Grade beleidigende und persönliche Kampfesweise gegen Andersdenkende — das Alles, was man sonst nur bei der bürgerlichen und sozialen Demokratie zu bewundern Gelegenheit gehabt hat, findet sich jetzt unter den Kampfesmitteln der Reformpartei." Das konservative „Vaterland" erklärte rund heraus, „daß sich die Hauptforderungen dieser Partei vollständig mit denen Bebel's und Liebknechts decken". Die Reformpartei hat bei den sächsischen Landtagswahlen, trotzdem 11 000 Stimmen für ihre Kandidaten abgegeben wurden, kein einziges Mandat erlangt. Wie zu erwarten war, hat sich das Organ des Herrn Zimmermann beeilt, aus einer Kundgebung des Geh. Hofraths Prof. Dr. jur. et theol. Sohm Kapital zu schlagen, indem es dieselbe einen „Schlag in das Gesicht der christlich-sozialen Richtung" nannte. Dieser bedeutende Leipziger Kirchenrechtslehrer hat, als kürzlich der 26. Kongreß für innere Mission in Posen tagte, u. A. folgende Thesen aufgestellt: „Das öffentliche Leben besteht heute mehr als je in dem Kampf der gesellschaftlichen Klassen um die öffentliche Macht. Die gesellschaftlichen Klassen werden als solche lediglich durch die Selbstsucht beherrscht. Jede Klasse erstrebt die Alleinherrschaft über die anderen. Im Kampf der gesellschaftlichen Klassen ist das Christenthum zum Kampfmittel entwürdigt worden. Man hat das Christenthum für eine bestimmte Art der Gesellschafts- und Herrschafts-

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