Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1895)
- Article
- Umschau
- Date
- 1895-10-01
- Page
- 177 (sequence 4)
- Language
- German
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Umschau. 177 kommen war, durch das Eingreifen des Herm Stöcker zunächst gerettet. Daß die Aufklärung Hammerstein's aber nichts Anderes war, als dis Verleumdung eines todten, braven Beamten, beweist ein von dem Grafen Finkenstein-Trosfin an Fräulein Alma Güthlein in Charlottenburg gerichtetes Schreiben, in welchem die Beschuldigung ihres verstorbenen Vaters, des Kanzleiraths Güthlein, nachträglich im Aufttage des Comites als völlig unbegründet bezeichnet worden ist. Auf den Namen des erwähnten Grafen Finkenstein hat Hammerstein, wie das konservative Blatt „Volk" bestätigt, fünf Wechsel im Gesammtbetrage von 200 000 Mk. gefälscht. Die „Köln. Ztg." legt dem Flüchtigen noch ein weiteres Verbrechen zur Last, welches die Folgen seines Verhältnisses zu feiner Geliebten betrifft. Als endlich die Staatsanwaltschaft zu Innsbruck um die Verhaftung Hammerstein's ersucht wurde, hatte dieser, nachdem er sich noch vorher in schöner Begleitung in Monte-Carlo und Paris vergnügt, seine kostbare Person bereits in Sicherheit gebracht. Um den „Judenliberalen" auch bei dieser Gelegenheit etwas anzuhängen, schrieb die „Kreuzzeitung" anläßlich der durch ihren ehemaligen Chefredakteur der konservativen Partei zugefügten Nachtheile: „Je unangenehmer sie von dem großen Erfolge der Antisemiten in Wien und von der Zunahme der antisemitischen Stimmen bei der Reichstagswahl im Kreise Wartenberg-Oels überrascht sind, desto lauter erheben sie ihre Stimmen, um die Konservativen einzuschüchtern und an die Wand zu drücken. Ueber diesen Zusammenhang muß man sich klar sein, dann versteht man Manches, was an sich, zum Theil wenigstens, unverständlich wäre." Wer nicht gerade begriffsstutzig ist, dem wird es klar genug sein, warum das Blatt die Angriffe wider das in letzter Zeit so oft genannte Freundespaar auf Ereigniffe zurückführt, welche weit später eingetreten sind als die Flucht ihres Schützlings. Ebenso wird es Wenige überrascht haben, daß Herr Liebermann von Sonnenberg in seiner „Antisemitischen Korrespondenz" seinem entschwundenen Gönner den bemerkenswerthen Nachruf widmete: „Wie Alles bei diesem außergewöhnlichen Menschen, so haben auch seine Vergehungen (!) einen Zug in's Großartige." Komisch wirkte der Versuch der Antisemiten, die Geliebte des Vielgenannten, Flora Gaß, als angebliche Agentin der „Alliance israelite“ hinzustellen — als ob solche „außergewöhnliche" Uebermenschen einer besonderen Agentin zu ihrem Ruin bedürften und dieses Geschäft nicht selbst besorgten! Diese Ueberzeugung theilen die einsichtigeren Konservativen, welche auch darüber nicht im Zweifel sind, daß das Tivoli-Programm ihrer Sache keinen Nutzen gebracht hat. Mit offenbarer Befriedigung erinnett die „Köln. Ztg." daran, daß sie es gewesen, welche die Konservativen immer darauf aufmerksam gemacht habe, daß sie unmöglich „mit einer auf Neid 13