Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1895)
- Article
- Umschau
- Date
- 1895-10-01
- Page
- 176 (sequence 3)
- Language
- German
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176 deutschen Reich. in vielen antisemitischen Kreisen geschwundene Vertrauen nicht wiederzugewinnen sein. In einer am 24. September, in Martens Saal in Berlin, abgehaltenen Versammlung erklärte der antisemitische Reichstagsabgeordnete Dr. Böcke!, die Hintertreppenpolitik sei ein Krebsschaden für das politische Leben, das Jntriguantenthum sei zehnmal gefährlicher als alle Sozialdemokraten und Anarchisten — die wahren Umstürzler seien die Hammerstein, die Stöcker. Daß die konservative Parteileitung Herrn Stöcker zu halten sucht auf die Gefahr der kaiserlichen Ungnade hin, scheint nach den Aeußerungen zahlreicher konservativer Organe festzustehen. Auf die Aeußerung der „Boss.-Ztg.", daß die konservative Partei Herrn Stöcker fallen lassen werde, wenn ihm das Hofpredigerprädikat entzogen werden sollte, antwortet die „N. Wests. Ztg.": „Da kennt aber das demokratische Blatt die Konservativen schlecht. Diese haben die Pflicht, die christlichen und monarchischen Grundlagen des Staates zu schützen und zu stärken, gleichviel, ob ihnen das Gnade und Wohlwollen oder Ungnade einträgt." In der „Ev. Kirchenztg." empfiehlt ein Superintendent sogar Herrn Stöcker als Professor der Ethik. Weil man keiner politischen Partei die Fehler Einzelner zur Last legen kann und sich wohl in jeder größeren Vereinigung räudige Schafe finden, dürfte die Kreuzzeitungs-Fraktion von dem moralischen und finanziellen Ruin des Freiherrn von Hammerstein keinen solchen nachhaltigen Schaden erleiden, wie der einstige Busenfreund des fragwürdigen Mitkämpfers für „Religion, Sitte und Ordnung", dem dessen offenkundiger Lebenswandel kaum völlig unbekannt sein konnte. Die „Köln. Ztg." wies nach, daß Stöcker seinem Freunde Hammerstein nicht nur fest zur Seite gestanden, als er sich mit ihm in einer Stellung photographiren ließ, in der sie Hand in Hand ihr Jahrhundert in die Schranken zu fordern schienen. Als die bekannten Vorgänge mit dem Pensionsfonds der Kreuzzeitung das Comite dieses Blattes veranlaßten, die Buchführung des letzteren genauer zu prüfen, hatte sich zunächst herausgestellt, daß der 1887 durch Sammlungen aufgebrachte Stöckerfonds von 13000 Mk. nicht buchmäßig belegt war. Der deshalb um Aufklärung gebetene Freiherr von Hammerstein machte nun die überraschende Mittheilung, jener Fonds sei von einem alten, inzwischen verstorbenen Beamten unterschlagen worden; er habe aber mit Rücksicht auf diesen Mann dem Comite von dem Geschehenen keine Mittheilung gemacht. Später brachte er dann eine schriftliche Erklärung Stöcker's bei, in der sich dieser abgefunden erklärte. Auf persönliches Befragen weigerte letzterer sich, nähere Mittheilungen zu machen, da er durch sein Ehrenwort gebunden sei. Somit wurde, nach der Angabe der „Köln. Ztg.", Hammerstein aus der peinlichen Lage, in welche er durch das Verschweigen der Unterschlagung dem Comit^ gegenüber ge-