Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1895)
- Article
- Die Bestrebungen und Ziele des Central-Vereins
- Date
- 1895-10-01
- Page
- 153 (sequence 9)
- Language
- German
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Die Bestrebungen und Ziele des Lentral-Vereins. 153 unserm deutschen Vaterlande wollen wir uns auch durch die gehässigsten Angriffe nicht verkümntern lasten. Wenn uns das Vaterland verkästen sollte, wir wollen das Vaterland nicht verlassen. Wer in der Gesellschaft Zurückweisung erfährt, mag die Gesellschaft meiden; aber so wenig man uns Glauben und Ueberzeugung rauben kann, so wenig kann man uns das Vaterland nehmen. Haben wir noch bis vor 15 Jahren nichts Anderes gewußt, als daß wir deutsch denken und fühlen, deutsch in Haß und Liebe sind, so wird uns auch eine ungerechte Zeitströmung unser Deutschthum nicht rauben; seien wir deutsch im Sinne der großen deutschen Geistesheroen, wenn auch nicht deutsch im Sinne der Ahlwardt, Stöcker und Hammerstein. 5. Wenn so weder das Polilische, noch das Religiöse uns scheiden darf oder einigen soll, wenn der Central-Verein weder ein Religionsverein sein will, noch ein parteipolitischer Verein sein soll, so ist es das Staatsbürgerliche, das uns Alle eint. Wir wollen nicht dulden, daß uns um unseres Judenthunis wegen die Rechte des Staatsbürgers verkümmert werden. Wir wollen alle Pflichten des Staatsbürgers erfüllen, aber wir wollen auch in unserer politischen, wirthschaftlichen und gesellschaftlichen Stellung nicht uni vermeintlicher Religions- oder Rastendefekte wegen Abbruch erleiden. Wir wollen unser Recht, unsere Persönlichkeit, unser Gut, unsere Religion gegen äußere brutale Angriffe im Wege Rechtens schützen und wir wollen dafür Sorge tragen, daß jene unheilvolle Bewegung, welche Zwietracht säet, nicht Sturm ernte und daß der Bürgerfriede wieder in unser deutsches Vaterland einkehre. Rechtsschutz und Aufklärung sind so Mittel und Ziele unseres Vereins, der Rechtsschutz als repressives, die Aufklärung als präventives Mittel; da politische Macht uns versagt ist, so können wir unsere wirthschaftliche und gesellschaftliche Stellung nur durch die Waffen der Aufklärung vertheidigen; wir sind nicht in der glücklichen Lage, der Centrumspartei der Katholiken ein jüdisches Centrum entgegen zu stellen. Es ist naturgemäß, daß in dem Anfang unserer Thätigkeit der Rechtsschutz in den Vordergrund getreten ist. Die Gesichtspunkte, die uns bei der Bethätigung des Rechtsschutzes geleitet haben, haben wir in dem ersten Rechtsschutzbericht auseinandergesetzt. Es würde zu weit führen, hier alles das zu wiederholen.