Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1895)
- Article
- Die Bestrebungen und Ziele des Central-Vereins
- Date
- 1895-10-01
- Page
- 152 (sequence 8)
- Language
- German
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162 Im deutschen Reich. 3. „Wie die politische Seite ist auch die religiöse, Sache des Einzelnen." Ob der Einzelne rechtgläubig oder freisinnig ist, wie er zu den Fragen des Kultus oder des Ritus sich stellt, Alles das ist in dem Rahmen des Central-VereinS irrelevant. Der Central-Verein umfaßt alle Juden, welcher religiösen Richtung sie auch angehören mögen, und er muß sie umfassen; denn um die Abwehr eines äußern Feindes handelt es sich, um die Vertheidigung der staatsbürgerlichen Rechte des Juden, und diese Abwehr muß, wenn auch in den innern Fragen die Meinungen auseinandergehen mögen, von allen Juden gemeinsam geübt werden. Wie es im Kampfe des Vaterlandes gegen einen auswärtigen Feind keinen Unterschied der politischen Parteirichtung geben soll und giebt, so müffen auch gegenüber antisemitischen Angriffen alle Juden zusammenstehen, mögen sie Reformjuden oder orthodoxe Juden seien. Hieraus ergiebt sich von selbst unsere Stellung zu den in Berlin bestehenden beiden Wahlvereinen der jüdischen Gemeinde, dem sogenannten liberalen Wahlverein und dem Central-Verein für die Jntereffen der jüdischen Gemeinden. Wir haben von Vereinswegen beiden erklärt, daß wir in die Agitation nicht eintreten; ob strenggläubige, ob freisinnige Repräsentanten gewählt werden, berührt den Central-Verein nicht, aber darauf wolle der Central-Verein mit allem Nachdruck sehen, daß Männer gewählt werden, welche für die Abwehrbestrebungen Hand, Herz und Verständniß haben; so haben wir zwischen beiden Wahlvereinen das einigende Prinzip bethätigt, nämlich das, daß in der Wahrung der staatsbürgerlichen Rechte der Juden alle religiösen und kommunalen Differenzen zurücktreten müffen. 4. „Wir sind ein Verein deutscher Staatsbürger, wir stehen fest auf dem Boden der deutschen Nationalität, wir haben mit den Juden anderer Länder keine andere Gemeinschaft als die Katholiken und Protestanten Deutschlands mit den Katholiken und Protestanten anderer Länder." Wir sind nicht zionistisch! so anerkennenswerth Stolz und Selbstbewußtsein sein mögen, welche der zionistischen Bewegung ihren Hintergrund geben, so fehlerhaft erscheint die Grundanschauung dieser Partei; sie hat mit dem Antisemitismus das gemeinsam, daß sie die Inden entnationalisirt und das ist die größte Gefahr des Judenthums. Deutsch sind wir und deutsch wollen wir bleiben, die Freude an