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Im deutschen Reich · 1895-10-01 · Heft 4 (Oktober 1895) · p. 148

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 4 (Oktober 1895)
Article
Die Bestrebungen und Ziele des Central-Vereins
Date
1895-10-01
Page
148 (sequence 4)
Language
German
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148 Im deutschen Reich. Rasse ist das Feldgeschrei, nicht mehr darauf kommt es an, ob die Schlechtigkeit, die gebrandmarkt wird, wirklich von Juden verübt ist, sondern jüdisch ist alles, was mißfällt, was in dem Kampfe um's Dasein dem Einzelnen Unbehagen macht. Wagemuth und Feigheit, Frechheit und ServiliSmuS, Schmutz und Pracht, Kritik und Anpassung, Kapitalismus und Sozialdemokratie, Alles ist jüdisch.' Was gut und angenehm ist, ist arisch-teutonischgermanisch-christlich, was böse und unangenehm ist, ist semitischhebräisch-jüdisch. Hieß es zuerst, der Jude L. lügt und betrügt, hieß es dann, die Juden lügen und betrügen so heißt es nunmehr, alle Juden lügen und betrügen von ReligionS- und Rassewegen; ihr Eid ist Meineid, sie schlachten Christenkinder, sie besuoeln das Fleisch, das sie an Christen verkaufen. In den Flugblättern, die der Antisemitismus in die Welt schickt: der Werth des Talmuds, die Heiligkeit des jüdischen Eides, kauft nicht bei Juden, kommt zum Ausdruck, was sie wollen; die Juden sollen rechtlich, gesellschaftlich und wirthschaftlich todt gemacht werden. Durch eine geschickte Agitation, welche die Masie fanatisirt und an ihre niederen Leidenschaften appellirt, ist der Heerbann der Antisemiten ungeheuer geworden. Es ist ihnen gelungen, Abgeordnete in die Parlamente zu bringen, welche kein anderes Programm haben, als das Programm des Judenhasies. So sind sie eine politische Macht geworden, mit der man rechnen muß. Lesen Sie ihr Programm wie's in unserm Rechtsschutzbericht aus einer Nummer von „Freideutschland" rekapitulirt ist: Konfiskation des jüdischen Vermögens, Judensteuer, besonderes Fremdenrecht für Juden u. s. w.; sie terrorisiren die Negierung, den Minister, welcher es wagt, einen Juden anzustellen, schimpfen sie einen Judenknecht; die Gerichte, welche einen Juden freisprecheu, die Staatsanwälte, welche eine Anklage gegen einen Juden nicht erheben, sind verjudet und bestochen; so wird den Behörden die Unbefangenheit ihres Handelns genommen. Alle diese Schäden sind nicht zu unterschätzen, eben so schlimm aber ist die Rückwirkung jener Strömung auf die Juden selbst. Sie beunruhigt und verbittert die Juden, sie raubt ihnen, da sie häufig schutzlos sich frechstem Uebermuth und Uebergriff ausgesetzt sehen, das Vertrauen zum Staat und Vaterland; das muß vor Allem verhütet

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