Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1895)
- Article
- Die Bestrebungen und Ziele des Central-Vereins
- Date
- 1895-10-01
- Page
- 149 (sequence 5)
- Language
- German
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Die Bestrebungen und Ziele des CenLral-vereins. 149 werden. Die Freude und das Vertrauen am deutschen Vaterland dürfen wir uns nicht verkümmern lassen. Deutsche sind wir und Deutsche wollen wir bleiben. Fragt man, wie die Bewegung so weit hat kommen können, so finden wir die verschiedensten Ursachen. Die Exzesse Einzelner, für welche in hergebrachter Weise das ganze Judenthum verantwortlich gemacht worden ist, Haß und Mißgunst derer, die sich durch die Konkurrenz bedroht sehen, die zweideutige Haltung der Regierung, welche in den Antisemiten willkommene Sturmböcke gegen die Liberalen und die Sozialdemokraten sah. Man identifizirte die Juden mit dem Fortschritt und man nahm gern die Kriegs hülfe an, welche der Antisemiten- Heerbanne gegen den jüdischen Liberalismus und das liberale Judenthum gewährte. Weitere Ursachen für das Anschwellen der antisemitischen Bewegung waren die wirthschaftlichen Ereignisse der neueren Zeit, die Krisen und Mißbräuche, welche die unausbleiblichen Schattenseiten großer Kulturfortschritte und Freiheiten sind; die Juden erschienen als die Vertreter des modernen Wirtschaftssystems, des Kapitalismus, des'Manchesterthums, welches den Schwachen nimmt und den Starken giebt. Für jede Misere des Daseins, für alle Schäden wirthschaftlicher Freiheiten, für den Untergang des Mittelstandes machte man die Juden verantwortlich. Der Antisemitismus wurde die Sozialdemokratie der geistig Armen. Nicht zum Wenigsten aber ist das Verhalten der Juden selbst Schuld an dem Anwachsen der antisemitischen Bewegung: ihr Mangel an Korpsgeist und Selbstbewußtsein, ihre Scheu vor organisirtcm Zusammenschluß, ihr JudifferentismuS und der Mangel thatkräftiger Abwehr; die Bewegung wäre nimmer so groß geworden, wenn der Agitation der Antisemiten Widerstand entgegengesetzt, ihrer Aktion die Reaktion begegnet wäre. Erst spät ist die Nothwendigkeit planmäßiger Abwehr und organisirten Zusammengehens erkannt worden. Den ersten Schritt auf jenem Wege haben die Männer gethan, welche zum sogenannten Gneist-Rickert'schen Verein zusammengetreten sind. Die Initiative hierzu ging von einer Reihe christlicher Notabeln aus, welche die antisemitische Bewegung als einen Schaden für die deutsche Kultur, als eine Schmach für das Deutsche Vaterland erachteten; sie hielten es deshalb für nothwendig, einen Verein zur Abwehr des