Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1895)
- Article
- Die Bestrebungen und Ziele des Central-Vereins
- Date
- 1895-10-01
- Page
- 147 (sequence 3)
- Language
- German
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Dir Bestrebungen und Ziele des Lerrtral-Vereins. 147 Blut übergegangen, dann brauchten wir heute nicht zusammen zu kommen^ Offenbar aber ist die Verwirklichung des Gedankens von der Freiheit und Gleichheit „Aller", von dem Wesen de» heutigen StaatSbürgerthumS zu schnell gekommen, und deshalb müflen wir zusammentreten, da die Gefahr besteht, daß einer großen Zahl von Staatsbürgern lediglich um ihres religiösen Bekenntnisses oder um vermeintlicher Raffenverschiedenheiten wegen der Genuß ihrer staatsbürgerlichen Rechte verkümmert werde. Kaum ein Jahrzehnt ist das Bundesgesetz vom 3. Juli 1869 unangefochten geblieben. Seit dem Ende her siebziger Jahre beginnt die Bewegung, deren letztes Ziel die gesellschaftliche Aechtung der Juden und die Einschränkung ihrer verfaffungsmäßigen Rechte ist. Man will die Juden wieder zu Bürgern und Menschen zweiter Klaffe Herabdrücken. Ueber die wahren Ursachen der Bewegung ist unendlich viel geschrieben worden. ES würde zu weit führen, die Geschichte dieser Bewegung zu erörtern, für uns genügt es, ihr Dasein und ihren Umfang festzustellen und kurz die Eigenart ihrer verschiedenen geistigen Strömungen zu skizziren. Gerade Ihnen, meine Herren aus Schlesien, wird es nicht unbekannt sein, wie in Breslau zuerst der sogenannte ästhetische Antisemitismus aufgetaucht ist, das Unbehagen der oberen Zehntausend an den Aeußerlichkeiten jüdischer Parvenüs. Ich erinnere Sie an den Artikel „Der jüdische Referendar" und andere geistesverwandte Erzeugniffc. Bald nahm die Strömung einen mehr realen und materiellen Untergrund an. Aus dem ästhetischen entwickelte sich der ökonomische Antisemitismus: Erwerb, Besitz und Konkurrenz der Juden werden Vielen ein Dorn im Auge, ein Stein des Anstoßes. Mitten zwischen der ideal ästhetischen und materiell ökonomischen Bewegung steht die dritte Abart, der Radau- oder Geschästsanlisemitisnius, der den Heer- und Wortführern eine leichte Erwerbsquelle, der nrissra oorrtribusns plebs für billiges Geld ein unsägliches Vergnügen in Radanversammlungen und Scnsationslektüre schafft. Waren cs zuerst Nadelstiche, die der einzelne Jude erlitt, so haben alle drei Strömungen dazu gewirkt, im Laufe der Zeit eine große soziale Frage zu entfachen; ni tt mehr der einzelne Jude, sondern die Gcsammthcit der Juden ist das Objekt des Angriffs, nicht mehr die Religion, sondern die i r