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Im deutschen Reich · 1895-09-01 · Heft 3 (September 1895) · p. 130

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 3 (September 1895)
Article
Umschau
Date
1895-09-01
Page
130 (sequence 6)
Language
German
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ISO Im bcutfdeu Reich. gelbes einem wohlthätigen Zwecke zuzuwenden. Nun sagte er, der Vortrag sei das Produkt seines Studiums, also eine produktive Leistung, für welche 30 Pf. Eintrittsgeld die Gegenleistung darstellen. Unter keinen Umständen lasse er über sein wohl und rechtlich erworbenes Geld verfügen! „Es giebt Antisemiten, die das Geld verdienen genau s o g u t v e r st e h e n w i e die Juden!" Das behauptete das Stöcker'sche „Volk", weil im „Deutschen Volks-Recht" vom 7. August für literarische Beiträge eigenthümliche Preise ausgesetzt wurden. „Heißt e Geschäft!" bemerkte dazu das Blatt Stöckers. „Gelingt der Plan, so erwirbt das „Volks-Recht" einen ordentlichen Stapel Manuskripte. Anspruch auf Honorar giebt es nicht. Der erste Preis beträgt 10 Mark! Pyramidal! Der zweite besteht in Makulatur, der dritte desgleichen. Jeder Zusendung ist eine 10 Pfennig-Marke beizulegen; von Rücksendung der Manuskripte ist keine Rede. Die Marken sind also sozusagen das Eintrittsgeld zum „Deutschen Volks-Recht". Nun, auf's Entreenehmen hat sich Herr Ahlwardt immer gut verstanden. Wir möchten wohl wissen, wie die Herren Ahlwardt, Böckel und Bodeck es nennen würden, wenn eine jüdischeZeitung sich auf die Ausbeutung ihrer Leser durch Verlockung zur Einsendung von Gratismanuskripten und 10 Pfennig-Marken verlegen würde?" Eigentlich geht das „Volk" dabei recht unbarmherzig mit Ahlwardt und Böckel um, welche noch lange nicht so schlimm sind, wie der plötzlich von der Bildfläche verschwundene Kreuzzeitungs-Redakteur, F r e i h e r r v o n H a m m e r st e i n. Dem zu spät „suspendirten" Vertreter des „Tivoli-Programms", von welchem das geflügelte Wort „Woßu"? herrührt, widmete vor etwa 2 Jahren Herr Stöcker ein Welk als „seinem lieben Freunde und Mitstreiter, in treuer Bundesgenossenschaft". Vor vielen stiller ehemaligen Bundesgenossen muß es ihlll jetzt wirtlich bange werden, denn wie zahlreiche deutsche Antisemiten jetzt gegen Adel und Geistlichkeit heftige Angriffe richten, befehden die französischerl Antiserniten Protestanten und Juden gleichmäßig. Der Herrn Stöcker nahestehenden „Deutsch-Evangelischen Kirchenzeitung" wurde über eine in Paris an; 6. Juli stattgehabte antisemitische Versammlung berichtet, in rvelcher ein Genosse des Redakteurs Drumont, der Boulangist Thiebaud, zu beweisen suchte, daß die Protestanten keine Patrioten sein könnten, trotzdern aber in der französischen Republik viele wichtige Stellungen einnähmen, so daß eine Million Protestanten die Gesetze für 30 Millionen Katholiken machten. Dem Vorträge folgte die Annahme einer Resolution, in welcher verlangt wurde, „daß der politische Einfluß der Protestanten und Juden gemindert werden solle". Mit der Tendenz Hamnlerstein's scheint die „Kreuzzeitung" nicht brechen zu wollen, da sie neuerdings die Behauptung ausgestellt hat, daß

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