Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 3 (September 1895)
- Article
- Umschau
- Date
- 1895-09-01
- Page
- 129 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316604-2316607-2317455--00205-2317533- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Umschau. 129 Landtagskandidaturen an. Wir warnen unsere Anhänger ausdrücklich vor dem Treiben des p. Reuther, der von uns in keiner Weise zu seinem Thun ermächtigt ist. Deutsch-soziale Reformpartei in Baden. Der Vor st an d." Darauf antwortet der Vorsitzende der Deutsch-Sozialen des 9., 10. und 13. Reichstagswahlkreises, Schuhmachermeister Franz Schmidt: „Herr Köster wird wissen, daß am 20. Januar 1895 diese drei Wahlkreise sich von der Heidelberger Leitung losgesagt haben. Von dem Vorstand dieser Wahlkreise ist Herr Reuther ersucht worden, den 13. Wahlkreis zu bereisen. In Zukunft verbitten wir uns jede Einmischung der Heidelberger Herren und thäten dieselben besser, sich anderweitig mehr um den „Badischen V o l k s b o t e n" zu bekümmern." Daß mit diesem früher von ihm selbst redigirten Blatte der jetzige Käsehändler Reuther in Offenbach unzufrieden ist, scheint verwunderlich. Dasselbe hat uns am 27. Juli einen besonderen Leitartikel „Im deutschen Reich" gewidmet und dann das erste Heft unserer Zeitschrift in einer so geistvollen Weise kritisirt, daß davon eigentlich jeder Käsehändler entzückt sein müßte! So saftig war dieser Artikel des badischen Antisemitenblattes, daß ihm sogar der Mainzer „Israelit" die vollste Anerkennung zollte! Das genügt! Auch sonst hat das antisemitische Treiben manche heitere Seite. In der „Antisem. Corresp." vom 25. Juli suchte ein junger Mann (8. Semester- Hochschul-Studiurn), antisemitisch gebildet, von sozialresormatorischer Gesinnung, eine Stellung bei einer gesinnungsverwandten Zeitschrift. Ein freisinniges Blatt bemerkte hierzu: „Wie viel A h l w a r d t - Versammlungen man besucht haben muß, um die Reise der antisemitischen Bildung zu erlangen, wissen wir nicht." Die von Ahlwardt am 20. Juli in Lübeck und am 23. Juli in Kiel abgehaltenen Versammlungen waren jedenfalls lehrreich! Im Laufe einer zweistündigen Rede erzählte Ahlwardt in Lübeck, er habe von einem ihm unbekannten Kaufmann vor 4 Jahren auf der Fahrt nach Lübeck im Eisenbahnwagen einen Thaler geborgt, den Namen des Verleihers aber nicht genau verstanden oder vergessen und deshalb die Schuld bisher nicht abtragen können. Der Kaufmann Kurt Seydell erklärte, der betreffende Helfer in der Noth, der anwesende Fabrikant Heinrich Träger, habe damals mit dem Thaler seine genaue Adresse an Ahlwardt gegeben. Ehe dieser die Juden Betrüger schimpfe, möge er erst seine Schulden bezahlen! Das Versprechen Ahlwardt's, seinem Gläubiger den Thaler am nächsten Tage persönlich zu bringen, genügte der Versammlung nicht; er mußie denselben unter großem Jubel sofort im Saale aushändigen. Erfolgreicher verteidigte' er sein Geld drei Tage später in K i e l, wo der sozialdemokratische AbgeordneteHeinze! ihm zumuthete, den Ueberschuß des Eintritts- 10