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Im deutschen Reich · 1895-09-01 · Heft 3 (September 1895) · p. 127

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 3 (September 1895)
Article
Umschau
Date
1895-09-01
Page
127 (sequence 3)
Language
German
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Umschau. 127 Enkel, sondern schon die Gegenwart schämen! Uebrigens erkennt die gesammte antisemitische Presse dadurch, daß sie nicht mehr von „deutschen Juden", sondern nur noch von „deutschen Mitbürgern jüdischen Glaubens" schreibt, die Berechtigung unserer Bestrebungen und die Bedeutung an, welche die Wirksamkeit unseres Vereins bereits erlangt hat. Der Sache des Friedens zwischen den Bekennern der verschiedenen Religionen in Deutschland wollen wir dienen und deshalb begrüßen wir mit Freuden Jeden, welcher uns in diesem Streben beisteht. Sympathisch berührt uns deshalb die in Nr. 14 der von Bobrzyk in Reutlingen herausgegebenen Wochenschrift „Das Handwerk" enthaltene Auslassung: „Die Idee des Antisemitismus wird wohl Jemand erfaßt haben, dem einmal von einem Juden Unrecht geschehen ist; das Schimpfen über das Judenthum regte an und so pflanzte sich die Idee fort. Die Idee ist schon in diejenigen Kreise eingedrungen, wo gehauen wird. Hätten die Verbreiter der Idee nachgedacht, so würden sie zu der Ueberzeugung gekommen sein, daß diese Kreise unter Juden die ganze besitzende Klasse verstehen, und daß es dann nicht unmöglich ist, daß auch ihnen die neue Hose wieder zerrissen wird. Von Rechtswegen sollten die Antisemiten jeden Sonntag ein Kapitel aus dem Neuen Testament lesen müssen. Humanität soll unsere Richtschnur sein. Demjenigen, der bestrebt ist, künstliche Gegensätze zu schaffen, die geeignet sind, die Menschen noch mehr auseinander zu bringen, sprechen wir das Recht ab, sich Christ zu nennen." Auf dieses Recht scheint ein Theil der Antisemiten gar keinen Anspruch mehr zu erheben, denn im „Deutschen Volks-Recht" vom 1. Juni war zu lesen: „Unser National-Gott müßte sehr richtig der in jedem einzelnen Germanen wohnende deutsche Volksgeist sein, den wir uns z. B. in unserm uralten Vater Wotan verkörpert denken." Am 16. August schrieb derselbe Leitartikler: „Das Christ ent hum ist nicht nur ein gewaltiger Hemmschuh bei der Bekämpfung des Hebräerthums, des sogenannten Kapitalismus, der sozialen Ungleichheiten, der Knechtung unseres Volkes, sondern vor Allem ein Hemmschuh unserer nationalen Entwickelung. — Einen Thron haben unsere Väter gar nicht gekannt und hätten ihn auch niemals geduldet. Erst das tückische verjudete Römerthum brachte ihnen die Kenntnisse und den Geschmack davon und das Judenchristenthum zwang ihnen einen solchen auf. Ebensowenig kannten unsere Väter einen Altar. Der christliche Altar ist eine asiatische Einrichtung; er ist die jüdische Opferbank." Am 7. Juni fand sich in demselben Blatt die Aeußerung: „Daß der adlige Junker oft im Ausnutzen der Arbeitskraft nicht besser ist als der Jude — davon darf die konservative Presse nichts wissen!" Am 12. Juni: „Sie ist überall

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