Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 3 (September 1895)
- Article
- Reichstagswahlen in der Ostmark
- Date
- 1895-09-01
- Page
- 108 (sequence 3)
- Language
- German
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108 3m deutschen Reich. Szymanski gekommen: hätten die Herren Antisemiten dann von den Juden, wenn Letztere nicht den Vorwurf der Vaterlandslosigkeit auf sich laden wollten, etwa verlangt, sie sollten für den Antisemiten stimmen? Nur die allergrößten Kälber wählen ihre Metzger selber! Den jüdischen Wählern des Kreises Meseritz-Bomst ist die traurige Nothwendigkeit, für den Polen zu stimmen, erspart geblieben; sie konnten ohne ihre Selbsterhaltung zu gefährden, für einen Kandidaten stimmen, dessen Name zwar polnisch klingt, der aber als Mitglied der Deutschen Reichspartei fest zu dem „Verein zur Förderung des Deutschthums in den Ostmarken" steht. Bekanntlich hat dieser Verein zum Entsetzen der Antisemiten in einem Flugblatte die jüdische Bevölkerung der Ostmarken als „besonders wichtigen Bestandtheil des Deutschthums" anerkannt. Daß trotzdem auch die antisemitischen Stimmen bei der Stichwahl Herrn von Dziembowski zugefallen sind, muß immerhin als ein Beweis politischer Einsicht gelten. Hätten die Führer der deutsch-sozialen Reformpartei eine andere Losung für die Stichwahl ausgegeben, so wäre ihr doch fast ausschließlich aus protestantischen Deutschen bestehender Anhang wahrscheinlich mit fliegenden Fahnen für immer in das freikonservative Lager übergetreten. Zu einer baaren Belohnung der Antisemiten für die Unterstützung des sreikonservativeu Kandidaten, von welcher vielfach irrthümlich berichtet wurde, war deshalb gar kein Anlaß vorhanden. Der praktische Arzt vr. Schröder in Wollstein veröffentlichte folgende Berichtigung jener Nachricht: „In Nr. 481 der „Posener Zeitung" vom 17. Juli dieses Jahres wird mitgetheilt, die Antisemiten hätten für die zur Unterstützung der Kandidatur Dziembowski versprochene Hülfe 750 Mark gezahlt erhalten. Ich habe die Verhandlungen als Konservativer von Anfang bis zu Ende geführt. Die Antisemiten haben für die versprochene Hülfe weder irgend eine Geldsumme erhalten, noch besteht ein darauf gerichtetes Abkommen." Die Annahme des „Posener Tageblatts", yran sei nun zuletzt beiderseits übereingekommen, ein solches der „Mißdeutung fähiges" Abkommen nicht abzuschließen, scheint thatsächlich irrthümlich zu sein, denn die Konservativen mußten es wiffen, daß die Stimmen der Antisemiten bei der Stichwahl ihnen ohnehin zufallen würden.