Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 3 (September 1895)
- Article
- Reichstagswahlen in der Ostmark
- Date
- 1895-09-01
- Page
- 107 (sequence 2)
- Language
- German
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ReichsLagswahlen in der Ostmark. 107 schon im Jahre darauf 3520 Stimmen und bei der letzten Wahl 3001 Stimmen für sich zu gewinnen. Trotzdem war es von vornherein aussichtslos, im Kreise Meseritz-Bomst einen Antisemiten durchzubringen, welcher, wenn er zur Stichwahl gelangt wäre, doch dem polnischen Gegenkandidaten unterliegen mußte. Die durchaus nicht philosemitischen, freikonservativen „Berliner Neuesten Nachrichten" schrieben: „Wäre cs ihm gelungen, mit dem polnischen Kandidaten zur Stichwahl zu kommen, so wäre — das ist die übereinstimmende Ueberzeugung aller Kenner der Verhältnisse — der Letztere unzweisclhast als Sieger hervorgegangen und damit der Wahlkreis wahrscheinlich auf längere Zeit dem Deutschthum verloren gegangen; denn bei der herrschenden Erbitterung war die Vereinigung der Gesammtheit der deutschen Stimmen auf den antisemitischen Kandidaten als äußerst zweifelhaft zu erachten. Einen Sieg aber schon nach dem ersten Wahlgange zu erlangen, war für die Antisemiten gänzlich anögeschlosien. Somit entsteht mit gutem Grunde die Frage, ob eine derartige, lediglich vom Fraktionsinteresie diktirte Taktik nicht als ein großer Fehler, ja mehr als dies: als eine Versündigung an der Sache des Deutschthums zu bezeichne» ist." Für den „Kenner der Verhältnisse" war es wirklich garnicht fraglich, daß die antisemitische Konkurrenz nur den Polen Nutzen bringen konnte und daß dies der Neformpartei bis zur Stichwahl ziemlich gleichgiltig war, dafür zeugte die offene Sprache ihrer Organe. Schon am 10. Mai schrieb das antisemitische „Deutsche Volks-Recht" Ahlwardt's: „Die allgemeine heutige Annahme ist irrthümlich, wir dürften unter keinen Umständen mehr zu einer Wiederherstellung Polens die Hand bieten. Dieselbe ist eine Nothwendigkeit, geschichtlich bewiesen." Und noch am 10. Juli erklärte das Organ des deutsch-sozialen Abgeordneten Zimmermann, die „Deutsche Wacht": „Wir betrachten die katholischen Polen nicht als Feinde, sondern als Gegner. Der gemeinsaine wirkliche Feind der Deutschen wie der Polen ist der Jude." Wie daffelbe Blatt zugesteht, „war die Judenschaft wie im Vor-, jahre rührig bei der Arbeit, den Freikonservativen zu' unterstützen, von dem sie keine antisemitischen Anwandlungen befürchtet." Wäre nicht Herr von Dziembowski, sondern der Antisemit zur Stichwahl mit dem polnischen Prälaten