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Im deutschen Reich · 1895-08-01 · Heft 2 (August 1895) · p. 83

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 2 (August 1895)
Article
Umschau
Date
1895-08-01
Page
83 (sequence 3)
Language
German
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Umschau. 83 kandidaten für Kolberg-Köslin gebildet. Etwa 1500 Wähler folgten dieser sonderbaren Weisung; das Ergebniß der Wahl, bei welcher das Städtchen Bublitz das Hauptquartier der Anhänger Ahlwardts bildete, war, daß der Kandidat der konservativen Partei und des Bundes der Landwirthe, Landrath von Gerlach und der liberale Geh. Baurath Benoit- Charlottenburg, zur Stichwahl gelangten, während der sozialdemokratische Kaufmann Lotz immer noch weit mehr Stimmen als Paasch erhielt. Die Stichwahl ergab den Sieg Benoits (freis. Vp.), der mit 9143 Stimmen den konservativen Kandidaten v. Gerlach, auf den nur 7433 Stimmen sielen, aus dem Felde schlug. Bedeutende Anstrengungen machen die Antisemiten, um im Waldeckschen Wahlkreise die Wiederwahl des Abg. vr. Böttcher, in dem Kreise Meseritz-Bomst diejenige deZ Abg. v: Dziembowski zu verhindern. Bereits nach der ersten im Waldecker Wahlkreise abgehaltenen antisemitischen Versammlung strengte der Abg. Liebermann v. Sonnenberg gegen die „Waldecksche Rundschau" eine Beleidigungsklage an, was ein antisemitisches Blatt zu der Bemerkung veranlagte: „Das kann entschieden noch hübsch werden!" Vernünftiger Weise hat die Fortschrittspartei auf die Ausstellung eines eigenen Kandidaten in dem Kreise Meseritz-Bomst verzichtet und auch Herr von Egidy seine Kandidatur zurückgezogen. Die „Germania" ließ sich aus dem Wahlkreise am 8. Juni schreiben: „Die Israeliten sind nicht zahlreich, aber ihre paar hundert Stimmen dürften die Wahl entscheiden. Die Juden fürchten, daß der Antisemit in die Stichwahl mit unserem Kandidaten kommen könnte und deshalb werden sie für den Agrarier stimmen. Ich sehe nicht ein, weshalb sie eine Stiche wähl überhaupt nicht vermeiden wollen; wenn sie gleich am 5. Juli für den Katholiken stimmen würden, könnten sie unserem Kandidaten (den früheren Redakteur der „Germania", Pfarrer Szymanski) gleich zum Siege verhelfen." Eigenthümlich ist, daß sich das Eentrumsblatt nicht vor den etwaigen Folgen einer solchen Liebeswerbung fürchtet. Vor kurzer Zeit ist bekanntlich der gesammte Vorstand des Bochumer nationalliberalen Wahlvereins, dessen Vorsitzender der Gatte der Sprecherin der Bochumer Frauen ist, welche den Fürsten Bismarck besuchten, nur deshalb in die Brüche gegangen, weil die „Tägliche Rundschau" in einer kleinen Briefkastennotiz verrathen hatte, daß die von dem Fürsten geküßte Rednerin „eine getaufte Jüdin" sei und daß Ersterer „in der Judenfrage beide Augen zuzudrücken verstehe". In den ersten Junitagen verschied in der Universitätsklinik zu Bonn Freiherr von Richthofen, dem ein antisemitisches Blatt nachrühmte, „daß er sich während seiner fast zehnjährigen Thätigkeit als Polizeipräsident von Berlin, im Gegensatz zu seinem Vorgänger, dem jüdischen Einflüsse unzugänglich gezeigt und deshalb von der Judenpresse hinterlistige, auf

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