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Im deutschen Reich · 1895-08-01 · Heft 2 (August 1895) · p. 82

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 2 (August 1895)
Article
Umschau
Date
1895-08-01
Page
82 (sequence 2)
Language
German
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82 Im deutschen Reich. freiheitlichen Antisemiten losgesagt und als „Antisemitische Volkspartei" in den Germaniasälen am ersten Pstngftfeiertag einen von etwa 100 Personen. besuchten Parteitag abgehalten. Dabei fand der vorher in Leipzig ausgearbeitete Programm - Entwurf Annahme. In diesem Programm wird gefordert: der Zusammenschluß aller deutschen Stämme (also auch der Deutsch-Oesterreicher!), die Ausscheidung aller Juden und aller Derjenigen, in deren Abstammung innerhalb der letzten drei Generationen auch nur eine Person jüdischen Blutes nachzuweisen ist, aus allen öffentlichen Aemtern, dem Rechtsanwalts- und Aerztestande, aus der deutschen Presse und aus der Armee. Das Verbot der Judeneinwanderung, das Verbot, Grund und Boden zu erwerben, das Verbot, weibliches Personal arischen Stammes zu halten, der Unterricht in besonderen Judenschulen, das Verbot der Führung deutscher Namen und Firmen, die Einrichtung einer Judenftatistik, die Ausschließung der Juden von öffentlichen Lieferungen, Verpachtungen und Submissionen, das Verbot des Schächtens u. s. w. Die außerdem auf politischem und wirthschaftlichem Gebiete gestellten Forderungen sind theils dem sozialdemokratischen Programm entlehnt, theils gehen sie über das letztere noch hinaus. Bemerkenswerth ist, daß der Antrag Kleeberg-Leipzig: „Der Mittelpunkt des Religionsunterrichts ist die Person und Lehre Christi" mit 60 gegen 36 Stimmen abgelehnt wurde und daß die Versammlung die Aeußerung Geißlers aus München bejubelte: „Alle die schönen Dinge, Christenthum, Vaterland und Monarchie schützen sich selbst; die antisemitische Volkspartei hat wichtigere Dinge zu schützen: das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes!" Dieselbe Stimmung gab sich in den Worten Ahlwardts kund: „Die Regierungen wollen uns nicht helfen, oder können uns in ihrer Rathlosigkeit und Ohnmacht nichts mehr geben — wir haben uns nun vereint, um das, was uns Gott nach den Regeln der Naturgesetze mit auf den Weg gegeben hat, in billiger Gerechtigkeit selbst zu nehmen. Wir wollen nicht warten auf die Brocken, die uns aus dem Innern der Paläste vor die Thür geworfen werden, sondern wir verlangen, alle nur als Menschen gleicher Schöpfung, auch als solche mit gleichen Menschenrechten behandelt zu werden und wir werden uns dann das Leben nach dem Werth unserer Arbeit selbst gestalten". Die Offenheit dieser Sprache läßt Nichts zu wünschen übrig und konnte von dem Programm-Ausschuß der „Deutsch-sozialen Reformpartei", welcher am 18. Juni im Reichstagsgebäude zusammentrat, nicht überboten werden. Den Schluß der Verhandlungen der Antisemitischen Volkspartei hatte die Proklamirung des in einem Prozesse nur wegen Unzurechnungsfähigkeit straffrei gebliebenen Kaufmanns Carl Paasch zum Reichstags-

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