Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 2 (August 1895)
- Article
- Umschau
- Date
- 1895-08-01
- Page
- 81 (sequence 1)
- Language
- German
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81 Umschau. vom Gegner!" Diese klassische Mahnung kann man nicht oft genug den deutschen Staatsbürgern jüdischen Glaubens zurufen, welche allen Grund haben, sich an der Thatkraft, Ausdauer und Opferfreudigst ihrer erbittertsten Feinde ein Beispiel zu nehmen. Was wir nicht nachahmen wollen, ist ihre Kampfesweise, denn in Bezug auf ihre Waffen in dem langjährigen Streite sind unsere Gegner durchaus nicht wählerisch. Ein hübsches Pröbchen dieser Kampfesweise liefert die sich gern als Ruferin im Streite gebehrdende „Tägliche Rundschau" in der Besprechung des ersten Heftes unserer Zeitschrift. Da sie derselben nichts Böses nachsagen kann, behilft sie sich mit einigen nichtssagenden Redensarten und knüpft daran ein ungereimtes Citat — nicht aus irgend einem Artikel, aus irgend einer Correspondenz unsres .Heftes, nicht etwa aus unsrem Prospect, sondern aus einem fremden Blättchen, in der persiden Absicht, uns dieses an die Rockschöße zu hängen und uns für eine Aeußerung verantwortlich zu machen, die (wie ihr sehr wohl bekannt ist) der von uns vertretenen Tendenz nicht entspricht. — Scheinbar zersplittert finden sich unsere Gegner immer wieder zusammen in dem unerbittlichen .Haß gegen die jüdische Minderheit und in dem Streben, die Massen gegen die von ihnen mit dieser Minderheit fälschlich oder doch irrthümlich identisizirten Kapitalisten,aufzureizen. Der seit elf Jahren bestehende Deutsche Antisemitenbund, dessen zehn Abtheilungen im verflossenen Frühjahr reorganisirt wurden, hat u. A. im Laufe der Zeit eine Spar- und Darlehnskasse, eine Stellenvermittelung und verschiedene „Wegweiser durch christliche Geschäfte" begründet und durch diese „Wegweiser" selbst den unlauteren Wettbewerb begünstigt, welchen er so gern den Semiten vorzuwerfen pflegt. Das in neuester Zeit in Mainz verbreitete „Deutschbund-Adreßbuch", welches offenkundig eine Bopkottirung der dortigen jüdischen Weinhändler erstrebt, veranlaßte die „Mainzer Neuesten Nachrichten" zu folgender Aeußerung: „Eine Anzahl Firmen hat uns mitgetheilt, daß sie gegen ihre unfreiwillige Ausnahme in dieses „Muster-Adreßbuch" protestiren und daß sie auf die Kundschaft verzichten, welche ihre Weisheit aus diesem antisemitischen Wegweiser bezieht. Wir wußten ja, daß für derartige Hetzereien und Albernheiten in unserer Stadt kein Boden ist; die betreffenden Gemüthsmenschen müssen sich schon ein anderes Reich suchen!" Von diesem „Deutschen Antisemitenbunde" haben sich die von Ahlwardt und Böcke! geleiteten sogenannten