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Im deutschen Reich · 1895-08-01 · Heft 2 (August 1895) · p. 78

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 2 (August 1895)
Article
Henriette Herz, Bettina v. Arnim, Charlotte Stieglitz
Date
1895-08-01
Page
78 (sequence 8)
Language
German
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78 Im deutschen Reich. auf die Länge nicht aus, da doch jeder am Ende an sein Geschäft zurück muß. Die Wohnung will er nicht verlassen. So wird er wohl auch noch einige Wochen hier bleiben, bis er seine Papiere geordnet hat und bis die Büste der Seligen, die Rauch und Decker (?) modelliren werden, und das Gemälde, das Wach zu malen übernommen hat, der Vollendung näher gerückt sein werden. Alsdann wird er, wahrscheinlich von Mundt begleitet, nach Hannover gehen. Wie gern hätte ich Ihnen Näheres und Zusammenhängenderes geschrieben, klarer Gedachtes und Allsgesprochenes, wenn ich in diesem Momente, wo ich soeben von ihrem Begräbniß komme, mich mehr zu sammeln im Stande wäre. Ueberdies drängt die Zeit. Trost kann ich Ihnen nicht bieten. Möge die Wahrheit Sie trösten, weil sie die Wahrheit ist!" Seit dem Tode Charlottens war Stieglitz haltloser denn je. Die Hoffnung der Frau, durch ihren Selbstmord ihn aufzurütteln, erfüllte sich nicht. Stieglitz ging bald von Berlin fort. Von seinen Reisen schrieb er häufiger an Veit z. B. aus Muskau (Juli 1836) einen Brief, der wegen seiner Schilderung L. Schefers wichtig ist. Nicht lange nach Absendung dieses Briefes löste sich Stieglitz' Verhä ltniß zu Veit. Der tiefere Grund der Lösung wird wohl in dem Unbehagen Veits an Stieglitz' Benehmen zu suchen sein, eben weil er die Hoffnungen nicht erfüllte, die man unmittelbar nach dem tragischen Ereigniß von ihn« hatte hegen können. Er leistete fast noch weniger als früher. Unter Stieglitzens Briefen befindet sich ein Billet, das Verzeihung und Vergessen erfleht für eine ganz besonders unwürdige Szene, die er vor Beit und den Seinigen aufsüh rte. Mit einem solchen Menschen war keine Freundschaft zu halten. Der äußere Anlaß zum Bruch lag aber in. geschäftlichen Verhältnissen. Jenes Buch, in dem Mundt der verstorbenen Charlotte ein Denkmal gesetzt hatte, war 1835 im Kommissionsverlag von Veit erschienen. Der Verkauf übertraf zuerst die Erwartungen. Stieglitz, der sich zum Ersatz des etwaigen Schadens verpflichtet hatte, meinte daher, durchaus nicht in Anspruch genommen zu werden. Als aber Stieglitz August 1836 die Abrechnung empfing und daraus erfuhr, daß von den 1000 Exemplaren nur 384 verkauft seien und der Betrag seiner Schuld noch 344 Thlr.

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