Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 2 (August 1895)
- Article
- Henriette Herz, Bettina v. Arnim, Charlotte Stieglitz
- Date
- 1895-08-01
- Page
- 77 (sequence 7)
- Language
- German
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Henriette Herz, Bettina v. Arnim, Lharlotte Stieglitz. 77 mochte. Es muß Momente, gegeben haben, wo alle diese Betrachtungen zugleich auf ihren geschwächten und gereizten Körper cinstürmten, — konnte sie da etwas anderes erflehen als den Tod? Aber an Seelenwunden stirbt sichs nicht so leicht, und den Tod pflegt die Natur nicht dann zu senden, wenn er gerufen wird. Sie that es auch hier nicht. Und doch ist sie todt. Ja, mein edler Freund, die dunkle Ahnung, die jetzt in Ihrer Seele aufsteigt, lügt nicht: sie ist ihrem zögernden Schicksal zu Hülfe gekommen und hat sich selbst den Tod gegeben. Muß ich allerdings auch, um den letzten Schritt zu erklären, eine Verdüsterung des Moments voraussetzen, aber das entsetzliche Ereigniß kann ich doch nur als eine fürchterliche Konsequenz alles Vorhergegangenen auffafsen. Die näheren Umstände sind grauenvoll einfach. Am Montag Abend — am Sonntag vorher waren wir in der heitersten Gesellschaft zusammen gewesen — beredete sie Stieglitz, ein Concert von Ries zu besuchen: sie war schon seit längerer Zeit zu aufgeregt, um Musik ertragen zu können. Als er zwischen 8 und 9 nach Hause kam, war das Zimmer seiner Frau von seinen Wirthsleuten erbrochen. Sie hatte sich ins Bett gelegt und sich einen Dolch, der sich noch aus St.'s Studentenzeit herschreibt, mit römischer Kraft mitten ins Herz gestoßen, hatte den Dolch herausgezogen und neben sich ins Bett gelegt. Ihr Stöhnen machte das Dienstmädchen aufmerksam, das sie noch kurz zuvor ermahnt hatte, das Abendbrod für St. zurecht zu machen, beide Zugänge waren verschlossen, der herbeigerufcne Wirth erbrach die Thür und fand sie todt, wie ruhig entschluiiliuert. Nun kam St. herzu, auf seinem Pulte fand er für sich einen Zettel. Die Bedeutung ihres Opfertodes hat sie scharf überdacht und mit einer Ruhe ausgeführt, die an das Größte reicht, was die Geschichte alter und neuer Zeit überliefert hat. Die herkömmlichen Phrasen verstummen vor der außerordentlichen That, wie vor dem Entsetzlichen des Ereignisses. Gebe der Himmel, daß ihr Tod eine Wahrheit werde. Das ist das Einzige, was mir zu erstehen haben, sowohl um seinetals auch um ihretwillen, damit sie nicht umsonst gestorben sei. Stieglitz ist merkwürdig gefaßt. Er scheint ihrer letzten Willensmeinung sich würdig machen zu wollen. Er erspart sich nichts, keinen letzten Dienst, nicht einmal das Geschwätz der Leute; die Freunde wechseln bei ihm ab, auch Nachts. Doch reicht das 6'