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Im deutschen Reich · 1895-08-01 · Heft 2 (August 1895) · p. 76

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 2 (August 1895)
Article
Henriette Herz, Bettina v. Arnim, Charlotte Stieglitz
Date
1895-08-01
Page
76 (sequence 6)
Language
German
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76 Im deutschen Reich. Heinrichs Onkel, der dem Erwerbsunfähigen einen großen Theil seiner Subsistenzmittel gewährte, die Nachricht von dem Tode der merkwürdigen Frau mittheilte. Veit schrieb: „Hochverehrter Herr Baron! Dem traurigen Briefe meines Freundes Mundt den meinigen folgen zu laßen, der über den Tod unsrer edlen Freundin den nähern Aufschluß giebt, wäre mir eine heilige Pflicht, wenn mich Stieglitz auch nicht dazu aufgefordert hätte. Sie kennen beide. Sie haben ihr Verhältniß beobachtet. Von Stieglitz' Krankheitszustand sind Sie ohne Zweifel durch Ihren Herrn Bruder unterrichtet. Urtheilen Sie, was die Verschiedene dabei gelitten hat. Auf der Reise, wo seine körperlichen Zustände zuweilen dem Wahnsinn nahe kamen, sowie in den letzten Wochen ihres Hierseins hat sie ihr Unwohlsein gewaltsam in sich verschließen müssen, um ihn nickt durch den Gedanken an die Möglichkeit ihres Erkrankens aufs Aeußerste zu reizen. Denn diese Möglichkeit, das weiß ick aus vieljährigem Umgang, hat ihn immer wie ein Gespenst verfolgt. Ihr ganzes Nervenleben war jetzt in äußerster Spannung, ihr Blut in fürchterlichen Wallungen nach Herz und Kopf. Dazu kam die Abgeschiedenheit ihrer Wohnung und die Einsamkeit, in welche sie sich wider den Nath der Freunde vergraben hatte. Unpäßlickkeit meiner Frau, dringende Geschäfte, der weite Weg in dem lastcnven Nebelwetter hatten mich in der letzten Zeit abgehalten, sie öfter zu sehn und ich gestehe mit innerm Vorwurf: eignes Glück hatte mir die unheimlichen Verhältnisse in die Ferne gerückt, denen ick so lange Schritt sür Schritt gefolgt war. Aber wie konnte ich vermuthen, daß sich alles so auf die Spitze gestellt hatte. Die ewige elementarische Unruhe in Stieglitz, das Greifen nach den Extremen, war ihrem tiefe Harmonie und Versöhnung suchenden Geiste unerträglick geworden: sie hatte diesen Dämon auf jede Art zu beschwören gesucht; vergebens, eine unselige Krankheit kettete ihn an das Gemüth des Freundes. Sie konnte es nickt mehr ertragen, daß der Geliebte ihrer großen Seele fick nicht sollte ablösen können von dieser Angst des Jrdiscken und Eiteln, um sich mit ihr auf jene Hohe zu stellen, von der sie das Leben überschauen ließ, das sie dock an und um sich gewahrte und, sofern er dies nicht vermockte, fürchtete sie für seinen Verstand, ein Aeußerstes, das sie zu tragen sich wohl nickt fähig glauben

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