Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 2 (August 1895)
- Article
- Henriette Herz, Bettina v. Arnim, Charlotte Stieglitz
- Date
- 1895-08-01
- Page
- 75 (sequence 5)
- Language
- German
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Henriette Herz, Bettina v. Arnim, Lharlotte Stieglitz. 75 ihrem Tode wurde sie vielfach erwähnt und gepriesen. Veit gehörte zu den Intimen des Hauses. Seine Verlobung wurde daher von den seit längerer Zeit Vermählten mit einer geradezu überströmenden Freude begrüßt. Umsomehr, als Stieglitz und seine Gattin auf ihrer Hochzeitsreise durch Weimar gekommen waren und dort die Bekanntschaft der mit Veits verwandten Elkan'schen Familie, besonders der Tochter Johanna, Veits späterer Gattin, gemacht hatten. Am 25. März 1833 gratulirte Stieglitz mit seiner schönsten Schrift, die auch noch schlecht genug ist, der Braut des Freundes; meist schrieb er ein charakterloses, zerfließendes Geschmiere, in dem sich regelmäßig mehrere Flecke und zahlreiche Verbesserungen und Streichungen sinden. Seinem philosophischen Gerede treten wohlthuend die harmlosen Worte der jungen Frau gegenüber, die der Braut schreibt: „Indem ick diese Zeilen eben durchsehe, mein theures Hannchen, sehe ich soviele wir und Lottchens, daß cs mir vorkommt, als wollte ich mied nun noch einmal auf Stelzen stellen, um dennoch hervorzuragen — also Egoismus? Aber Egoismus, wenn es gilt, an geliebte Herzen sich zu legen, also liebender Egoismus ist keine Sünde. Sagen Sie mir, warum bin ich Ihnen so herzlich gut? ich sah Sie ja doch nur im Ganzen wenige Stunden; warum habe ich bei unserm Freunde so oft im Stillen gedacht: wenn doch Hannchen einst die Seinige würde und mit der Seinigen die Unsrige, wie sich das herüber und hinüber spielt, wenn man glaubt, sich gegenseitig zu erkennen und zu verstehen. Ich erinnere mich ganz deutlich, daß auf einem unsrer schönen unvergeßlichen Spaziergänge in Weimar, wo Sie uns Glücklichen zur Seite gingen, ich zu Heinrich sagte: diese Seele weiß auch einmal zu lieben, wenn ihre Stunde kommt. Also, habe ich Sie nicht gekannt?" Die beiden jungen Paare (Veits Hochzeit fand im Juni 1834 statt) konnten nicht lange vereint leben. Wenige Monate nach Veits Hochzeit tödtete sich Charlotte Stieglitz (29. Dezember 1834). Einen interessanten Brief von Mundt an Stieglitz über diesen Tod, Uder Eharlottens Motive, und Uder das Ehrengedächlntß, das der genannte Mundt seiner vielgeliebten Freundin widmete, habe ich anderwärts veröffentlicht („Die Gegenwart" Rr. 36, 1894). Diesem Dokument mag hier ein anderes angeschlossen werden, der Brief (nach dem Konzept), in welchem Veit dem Baron Stieglitz, 6