Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 2 (August 1895)
- Article
- Henriette Herz, Bettina v. Arnim, Charlotte Stieglitz
- Date
- 1895-08-01
- Page
- 72 (sequence 2)
- Language
- German
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72 3m deutsä en Reich vieles darin fick aus vielen Gründen nicht zur Oeffentlichkeit eignet, da Familienverhältniffe, Urtheile über Menschen und Bücher den Briefen anvertraut sind, ja sogar Geheimnisse, die aus Familien und Persönlichkeiten sich beziehen; wie ganz unerhört wäre es nun nicht von mir — alles dieses, wenn auch mit der strengsten Sonderung Preis zu geben — dem Mißverständnis und dem bösen Willen! Was meine Freundin Schleiermacher später von mir gewünscht, habe ich Ihnen, lieber Veit, gesagt; einzelne Stellen nämlich, die ihr merkwürdig scheinen, allgemeingiltig find, auszuziehen, doch ohne die geringste Andeutung, daß die Briefe, aus denen sie genommen, an mich gerichtet gewesen seien. — Dies nun konnte ich meiner Freundin nicht versagen, ich gab ihr vertrauend die Briefe in ihre Hände und will nun sehen was geschehen wird, doch hoffe ich, daß, obwohl ich mein Eigenthumsrecht zum Th eil abgetreten habe, doch nichts veröffentlicht werden wird ohne meine Zustimmung. Ich hoffe, daß Sic nur nicht zürnen. Ihnen einen Wunsch abzuschlagen, der Sie interessirt — ich mußte aber wahr und offen sein und Sie werden mir deshalb nicht unfreundlich werden. Ich erlaube mir die Dioskuren noch ein paar Tage zu behalten — einiges kenne ich schon daraus, anderes aber möchte ich kennen lernen, so die Novelle von meinem lieben Freunde Th. Melos. Ich empfehle mich Ihnen, Ihrer lieben Frau und Schwägerin und bitte Euch lieben jungen Leute, nicht so gar streng mit einem alten Leut zu rechnen und mick zu besuchen, wenn ich auch noch nicht bei Euch war. — In dieser Zeit bin ich nur zwei Mal in der Woche den Abend bei meiner Lewp — sonst zu Hause, da wäre es sehr liebenswürdig von Ihnen, wenn Sie alle mir Ihren Besuch schenken wollen — lieber aber wäre es mir, wenn Sie mir's, wenn auch nur zu Mittag, erst sagen ließen, da ich zuweilen bei meiner mir gegenüber wohnenden Schwester bin und es mir z u leid wäre. Sie zu verfehlen. Ihre H. Herz." Die zweite der geisteskräftigen Frauen, mit der M. Veit in Beziehung stand, war Bettina von Arnim. Ihr Gatte Achim v. Arnim hatte dem Almanach von 1831 einen Beitrag gespendet.