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Im deutschen Reich · 1895-08-01 · Heft 2 (August 1895) · p. 63

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 2 (August 1895)
Article
Die Erziehung zur produktiven Arbeit
Date
1895-08-01
Page
63 (sequence 6)
Language
German
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Die Erziehung zur produktiven Arbeit. 63 Erhebung 4398 Juden ermittelt worden, welche in landwirthschaftlichen Betrieben thätig waren. Freilich ist dies nur ein kleiner Bruchtheil der Gesammtheit der deutschen Juden, die sich künftig in weit größerer Zahl mit dem Bodenbau befreunden sollen. Wir thäten gewiß gut daran, den geeigneten Theil der Jugend zu der Urarbeit zurückzuführen, deren Werth zu unterschätzen uns mit Unrecht vorgeworfen wird. Was seit Jahrhunderten nothgedrungen vernachlässigt werden mußte, läßt sich selbstverständlich nicht in einigen Dezennien nachholen; zunächst muß aber der ernste Wille gezeigt werden, dies anzustreben. B. von Werlhof schrieb in der „Nation": „Es wäre aus wirthschaftlichen Gründen zu bedauern, wenn ein bestimmtes Glied der Völkersamilie sich von einem wichtigen Zweige der Kulturarbeit gänzlich fern halten wollte. Man braucht deshalb nicht in den Fehler zu verfallen, die Mtzlichkeit jeder anderen Beschäftigung abznsprechen." Andere haben dagegen mit Rücksicht auf das gerade bei den Landleuten noch häufige Vorurtheil vor einer größeren Betheiligung an der Bodenkultur gewarnt und auf die kaufmännische Begabung vieler jüdischer Knaben besonderen Werth gelegt. Trotz aller Vorurtheile werden aber gewiß gute und billige Erzeugnisie jüdischer Gärtner und Landwirthe willige Abnehmer finden. Man pflegt auf den Märkten nicht nach der Religion Derjenigen zu fragen, welche Bodenprodukte liefern, wohl aber ist bereits für viele Kaufläden die antisemitische Losung: Kauft nicht bei Juden! verhängnißvoll geworden. Bei dem Verkauf von Früchten, Blumen u. dgl. m. kommt es nur darauf an, ob die Produzenten leistungsfähig sind. Deshalb sollte ein Theil der israelitischen Jugend unter tüchtiger fachmännischer Leitung sachgemäß für die Bodenkultur erzogen werden. Diejenigen Knaben, welche für den Ackerbau nickt genug Körperkräfte haben, können Garten-, Gemüse- oder Obstbau treiben. Sollten sie wegen ihrer Religion in ihrem Berufe später auf Schwierigkeiten stoßen, so werden sie, wenn sie Tüchtiges leisten, sehr leicht ein Unterkommen in überseeischen Ländern finden, wo man wackere Landwirthe und Gärtner nicht nach ihrem Bekenntniß fragt. Den Gartenbau insbesondere hat der Kunst- und Landschaftsgärtner Siegfried Minden in Oppenheim am Rhein in einer im April 1894 (in den Mitth. z. Abw. d. Antis.) veröffentlichten Zuschrift als

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