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Im deutschen Reich · 1895-08-01 · Heft 2 (August 1895) · p. 64

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 2 (August 1895)
Article
Die Erziehung zur produktiven Arbeit
Date
1895-08-01
Page
64 (sequence 7)
Language
German
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64 Im deutschen Reich. einen Beruf geschildert, dem sich jüdische Knaben mit Erfolg widmen können. Jener Brief schloß mit den Worten: „Eltern und Vormünder, deren Verhältnisie kaum eine andere Berufswahl ermöglichen, als Eure Kinder resp. Mündel dem Klein- oder Hausirhandel in die Arme zu werfen, führt sie der Bodenkultur zu! Laßt sie dadurch zu einer geachteten Lebensstellung gelangen und überlaßt das Haufirgewerbe den Euch darum beneidenden — Antisemiten!" Ueber die Wichtigkeit der Anleitung der Jugend zur produktiven Arbeit sind sich wohl Alle einig, welche ein warmes Herz für das Judenthum haben, nicht aber über die Wege zur Erreichung des zu erstrebenden Ziels. Die Leistungen der bereits 81 Jahre bestehenden „Berliner Gesellschaft zur Verbreitung des Handwerks und des Ackerbaues," welche im Vorjahre 85 jüdische Lehrlinge unterstützte und das Lehrlingsheim in Pankow so erweiterte, daß darin demnächst 60 Lehrlinge ein Unterkommen finden können, sind gewiß hocherfreuliche, so weit sie die Verbreitung des Handwerks unter den preußischen Juden betreffen. Für die ebenfalls satzungsmäßig geplante Verbreitung des Ackerbaues glaubte man bisher mit Rücksicht auf die vorhandenen Schwierigkeiten nichts thun zu können. Aehnlich liegen die Verhältnisse bei dem Posener Verein, der Rohr'schen Stiftung und anderen ähnlichen Instituten. Es erinnert an die Geschichte vom Ei des Columbus, daß ein einzelner Mann aus höchst einfache Weise, wenn auch unter großen persönlichen Opfern gezeigt hat, wie das schwierige Ding der Erziehung der israelitischen Jugend für dieBodenkultur praktisch a n - zu sasse n ist. Der V i c e k o n s u l A lexa n d e r M. Simon in Hannover kam auf den glücklichen Gedanken, in Deutschland eine Garten-, Ackerbau- und Handwerkerschule zu errichten, welches Institut kein Waisenhaus, kein Zufluchtsort, keine Besserungsanstalt für verwahrloste Knaben, sondern eine Musterstätte werden sollte für eine Erziehung zu denjenigen Berufen, welchen die israelitische Jugend bisher aus Mangel an geeigneter Anleitung fern bleiben mußte. Simon erwarb in Ahlem bei dem Schwefel- und Soolbad Limmerbrunn, unweit von Hannover, 50 Morgen fruchtbares Land, ließ aus demselben die erforderlichen Baulichkeiten errichten und stellte Lehrer und Handwerker an.

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