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Im deutschen Reich · 1895-08-01 · Heft 2 (August 1895) · p. 61

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 2 (August 1895)
Article
Die Erziehung zur produktiven Arbeit
Date
1895-08-01
Page
61 (sequence 4)
Language
German
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Die Erziehung zur produktiven Arbeit. 61 der russischen Exulanten war nur deshalb ein so grenzenloses, weil die Mehrheit dieser Auswanderer in ihrer Heimath nur den jetzt fast überall im raschen Niedergange befindlichen Kleinhandel, das Schank- oder das Hausirgewerbe betrieben hatte, welches letztere man jetzt aus gesetzlichem Wege einzuschränken sucht. Die Ackerbau treibenden Juden konnten in Rußland bleiben, ebenso sehr viele tüchtigere jüdische Handwerker, deren Zahl nach Hunderttausenden geschätzt wird. Unter den ausgewanderten russischen Juden befanden sich wohl auch viele Handwerker, aber meist nur solche, welche nichts Besseres liefern konnten, als wie schlechtbezahlte Magazinarbeit. Diese haben eine Zuflucht in London und in New-Pork gefunden, wo sie für Kleider- und Schuhfabriken unter dem Druck des entsetzlichen „Schwitzspstems" für wahre Hungerlöhne sich abquälen. Die vielfach unternommenen Versuche, ehemalige Lehrer, Schankwirthe, Händler und Hausirer in fernen Ländern mit landwirthschaftlichen Arbeiten zu beschäftigen und in Kolonisten umzuwandeln, sind gewiß wohlgemeint. Diese Kolonien werden aber voraussichtlich erst in der nächsten Generation völlig befriedigende Erfolge liefern, weil man für die Bodenkultur von Jugend auf erzogen werden muß. Daß es auch höchst vortheilhaft ist, zum Handwerk frühzeitig angeleitet zu werden, um später Tüchtiges leisten zu können, beweisen Erfahrungen, die man an vielen Orten mit dem Handfertigkeitsunterricht gemacht hat. Die seit einem halben Jahrhundert in Deutschland bestehenden zahlreichen jüdischen Vereine zur Förderung des Handwerks haben manches Gute geleistet; sie würden aber viel mehr Erfolge erzielt haben, wenn nicht die Gelegenheit gemangelt hätte, die Jugend für die produktive Arbeit zu erziehen und dann für dieselbe wohlwollende Lehrherren und duldsame Mitarbeiter zu finden. Das Elend der russischen Exulanten und die fortwährend sich steigernden Schwierigkeiten der Berufsfrage in Deutschland zeigen, daß darin Wandel geschaffen werden muß. Unsere Zeit erheischt das Zusammenwirken aller Edelgesinnten für den großen Zweck, der israelitischen Jugend zahlreichere Bcrufszweige zu eröffnen, vor Allem aber ihr die Möglichkeit zu bieten, sich weit mehr als bisher an der produktiven Arbeit zu betheiligen! Das Handwerk hat für den tücktigen und sparsamen Arbeiter noch heute einen goldenen Boden; es ist durch die Konkurrenz der

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