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Im deutschen Reich · 1895-08-01 · Heft 2 (August 1895) · p. 59

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 2 (August 1895)
Article
Die Erziehung zur produktiven Arbeit
Date
1895-08-01
Page
59 (sequence 2)
Language
German
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Die Erziehung zur produktiven Arbeit. 59 mittelalterliche Staat ließ ihm keine anderen Erwerbsquellen." Viele Jahrhunderte hindurch auf den Handel beschränkt, haben die deutschen Juden die Fähigkeit erworben, auf diesem Gebiete Bedeutendes zu leisten und Erfolge zu erzielen, welche zumeist nicht nur ihnen, sondern der Gesammtheit zu Gute gekommen sind. Es ist noch kein halbes Jahrhundert verfloffen, seitdem den deutschen Juden andere Berufszweige erschloffen worden sind. Ein solcher Zeitraum konnte nicht genügen, sie vollständig von dem Berufözweige abzuziehen, auf den sie durch langjährige Gewohnheit zunächst hingewiesen wurden, wie er auch nicht genügt hat, die Vorurtheile zu beseitigen, welche sie in den ihnen so spät erschlossenen Berusskreisen zu bekämpfen haben. Bis zum Jahre 1848 verboten die Zunftgesetze den christlichen Meistern, einen Juden in die Lehre zu nehmen; aber auch heute ist es schwer, einen christlichen Meister zu finden, der einen jüdischen Knaben in die Lehre nimmt und gegen Beschimpfungen seitens der Gehilfen und Mitlehrlinge hinreichend schützt. Allerdings ließ sick voraussehen, daß sich langjährig eingewurzelte Vorurtheile weder durch die Gesetzgebung noch durch die Fortschritte der allgemeinen Volksbildung im Laufe von wenigen Jahrzehnten völlig verbannen lassen würden. Trotzdem hat die Heftigkeit der in der Neuzeit stattgehabten rückläufigen Bewegung überrascht; sie ist unverkennbar dadurch gefördert worden, daß berufsmäßige Hetzer die von einzelnen Juden seit der gewonnenen Freiheit auf den Gebieten der Wissenschaft und Kunst, des Handels und der Gewerbe errungenen Erfolge wesentlich übertrieben und in weiten Kreisen eine völlig unberechtigte Furcht vor den neuen Wettbewerbern wachgerufen haben. Die Judenfrage ist keine Religions-, keine Raffensrage, sondern eine Frage der wirthschaftlichen Konkurrenz. Der vermeintliche Reichthum der Juden bildet die Hauptursache aller Anfeindungen, heut zu Tage, wie zu jener Zeit des Mittelalters, von welcher Ignaz Döllinger sagt, daß damals das Gold „nicht nur der Schutzengel, sondern auch der Würgengel der Juden" gewesen sei. Ein ähnliches Schreckgespenst wie der jüdische Reichthum ist auch die angebliche internationale Solidarität der Juden, während in Wirklichkeit die letzteren kein anderes Band umschlingt, als das des gemeinsamen schlichten Glaubens an den einzigeineu Gott. — Bestände unter den deutschen Juden eine Interessengemeinschaft,

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