Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 1 (Juli 1895)
- Article
- Umschau
- Date
- 1895-07-01
- Page
- 33 (sequence 7)
- Language
- German
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Umschau. 33 kommenen Traditionen und Vorurtheilen ihre naheliegende Erklärung finden. Diese Annahme berechtigt zu der Hoffnung, daß, wenn wir in dem Kampfe gegen Traditionen und Vorurtheile nicht Nachlassen, der gute Wille der Behörde schließlich fich der besseren Ueberzeugung nicht entschließen wird." Bevor noch der in Breslau geführte „Schulchan-Aruch-Prozeß" ebenfalls mit Freisprechung geendet hatte, gelangte von judenfeindlicher Seite an den Neichstag die inzwischen abgewiesene Petition, von Reichswegen eine Uebersetzung des „Schulchan-Aruch" zu veranlassen. „Wäre das Buch so harmlos", schrieb die ,Kons. Korr.", „wie die Juden es schildern, dann hätte es doch keinen Sinn, wenn sich die Rabbiner gegen eine authentische Übersetzung sträuben wollten." Das ist aber auch ganz und gar nicht der Fall, denn eine „authentische", d. h. eine von den Antisemiten und ihnen bekannten „Autoritäten" unbeeinflußte Uebersetzung des vielumstrittenen Buches könnte den Juden nur willkommen sein. Für eine Beurtheilung desselben durch allgemein anerkannte christliche Autoritäten von der wissenschaftlichen Bedeutung der Professoren Nöldeke, Strack und Wünsche würde der Central-Verein jederzeit gern eintreten. Auch auf einigen anderen Gebieten befindet sich der Central- Verein in Uebereinstimmung mit seinen sonstigen Gegnern, z. B. in Bezug auf die Verhöhnung der in Antiseiniten-Blättern inserirenden Juden. Rach der „Wests. Reform" soll ein Redaktionsmitglied der „Staatsbürger-Zeitung" gesagt haben: „Unsere Leser werden trotz aller Annoncen nicht bei Juden kaufen. Wenn die Juden so dumm sind und in der „Staatsbürger-Zeitung" annonciren, so sage ich: Her mit dem Judengeld, dadurch wird die antisemitische Bewegung unterstützt." Gegen jede gedankenlose und' ehrlose Gewinnsucht jüdischer Geschäftsleute anzukämpfen, hält der Central-Verein für seine. Pflicht, deshalb hat er mit herbem Tadel nicht zurückgehalten, wo einzelne Juden durch taktlose Reklamen Wasser auf die Mühlen der Gegner lieferten. Er hat diese Werke der „inneren Mission" der Oessentlichkeit nur deshalb nicht preisgegeben, weil die Judenfeinde sich wahrscheinlich nicht scheuen würden, unrühmliche Ausnahmen als die Regel hinzustellen. Zu solchen Ausnahmen ist auch ein einziger Fall zu rechnen, in welchem bedauerlicher Weise der Versuch gemacht wurde, die Zugehörigkeit zum Central-Verein zu geschäftlichen Zwecken zu benutzen.