Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1895-07-01 · Heft 1 (Juli 1895) · p. 30

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 1 (Juli 1895)
Article
Umschau
Date
1895-07-01
Page
30 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2316602-2316604-2316605-2317260--00048-2317324
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

80 )>» deutsche» Keid;. „schamlos zusammengegaunertes Machwerk" und als „eine Schmach für die Wissenschaft" zu bezeichnen. In der am 29. April d. I. zu Heidelberg stattgehabten Verhandlung des dortigen Schöffengerichts erkannte das letztere die Legitimation des Privatklägers vr. H. Hildesheimer an und erachtete sämmtliche Gutachter durch den Vorwurf der Bestechlichkeit als beleidigt. Nur mit Rücksicht aus das jugendliche Alter des Angeklagten wurde von einer Gesängnißstrafe abgesehen und nur eine Geldstrafe von 100 Mark verhängt. Den Zweck der Aufreizung suchen andere Organe derselben Partei auf ungefährlichere Art zu erreichen. Wenn neuerdings in der Zeitschrift „Deutsches Kolks-Recht" in einer „Der alte Wiener Judenfriedhof" überschriebenen Notiz die Erhaltung des als Privateigenthum der Säcularisation entgangenen DöblingerFriedhofs .als eine unzulässige Bevorzugung der Juden dargestellt, wenn in einer anderen 9iotig desselben Blattes mitleidsvoll die Noth der armen Leute in Kossowo in Galizien beklagt wurde, welche Nachts Leichen aus dem dortigen jüdischen Friedhofe ausgruben und damit ihre Schweine fütterten, so ist dies für den, Antisemiten-Blättern gebotenen Stoff bezeichnend genug! Immerhin sind dies keine Berichte, welche Strafanträge veranlassen oder eine betheiligte Privatperson berechtigen, aus Grund des § 11 des Reichspreßgesetzes eine Berichtigung zu erzwingen, und dennoch erfüllen sie den edlen Zweck, Erbitterung zu erregen! Daraus aber läuft das Streben der Judenfeinde doch immer schließlich hinaus. Ein antisemitisches Blatt schrieb dieser Tage: „Die Berliner Judenpresse ist fleißig an der Arbeit die unangenehme Steigerung des Petroleumpreises als Folge des Petroleumringes zu vertuschen. Wird ihr aber nichts Helsen!" Auch im Reichstage haben Abgeordnete der deutsch-sozialen Resormpartei versucht, die Mißstimmung über die plötzliche Preissteigerung des Petroleums für ihre Parteizwecke auszubeuten. Die Thatsache, daß die Urheberin der Ealamität, die Ldanckarck Oil-Company durchaus nicht in jüdischen Händen, daß der eigentliche Leiter der genannten Gesellschaft Rockfeller „Baptist" ist, daß eine Betheiligung der Rothschild-Gruppe an der Preistreiberei nicht nachzuweisen ist, hat hierbei nur eine nebensächliche Bedeutung. Handelt es sich bei dieser Steigerung des Petroleumpreises thatsächlich um eine schmutzige Spekulation, so müssen wir dieselbe verdammen, gleichviel zu welcher Religion die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.