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Im deutschen Reich · 1895-07-01 · Heft 1 (Juli 1895) · p. 28

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 1 (Juli 1895)
Article
Umschau
Date
1895-07-01
Page
28 (sequence 2)
Language
German
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28 Im deutschen Reich. Der Verein als solcher kann sich aber nur für solche Vorgänge interessiren, durch welche die staatsbürgerlichen Rechte seiner Mitglieder gefährdet erscheinen, wo prinzipielle Gegner der Gleichstellung der Juden Einfluß zu erringen streben, wo den deutschen Juden in Thal, Wort oder Schrift Unrecht zugefügt wird. Ein weithin sichtbarer Mittelpunkt, von welchem aus die Vertheidigung der Rechte der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens systematisch geleitet und kräftig unterstützt wird, bildet der Verein bereits einen Faktor, mit welchem Freund und Feind rechnen. . Zu den b'merkenswerthen Vorgängen innerhalb der judenfeindlichen Parteien dürfte die in Leipzig während der Osterfeiertage von 20 Vertretern der Ahlwardt-Richtung vollzogene Gründung der Antisemitischen V o l k s p a r t e i zu zählen sein. Bezeichnend für diese neue radikale Partei ist, daß sie gleichzeitig „die Betreibung einer großdeutschen Politik zu Gunsten eines judenreinen Alldeutschlands", sowie die „Duldung jeder religiösen Ueberzeugung" in ihr Programm ausgenommen hat. Bei dem zu Pfingsten in Berlin stattfindenden Parteitage soll dieses Programm endgiltig festgestellt werden. Die antisemitische Partei verlor den Reichstagswahlkreis Dresden-Land, in welchem der Sozialist Horn gewählt wurde; dagegen drang in Hofgeismar-Rinteln der antisemitische Kandidat, Rechtsanwalt Vielhaben, durch. In dem Weimarischen ersten Wahlkreise wurde der Kartell-Kandidat der Konservativen und Antisemiten, Gutsbesitzer Reichmuth, mit geringer Stimmenmehrheit gewählt. Zu -interessanten Auseinandersetzungen zwischen der Reformpartci und dem Bunde der Landwirthe kam es bei dem im Kreise Eisenach- Dornbacd-Vawa, in welchem der Liberale Casselmann den Kandidaten des Bundes der Landwirthe, Rösicke, um so leichter aus dem Felde schlug, als der letztere von dem größten Theile der deutsch-sozialen Wähler im Stiche gelaffen wurde. Bei der R'achwahl in Meseritz- Bomst tritt ebenfalls die deutsch-soziale Reformpartei dem Bund der Landwirthe entgegen, welcher letztere an dem bisherigen Abgeordneten von Dziembowski festhält, während die Reformer den Mühlenbesitzer .Hersach in Ruchtzermühle bei Wollstein als ihren Kandidaten aufgestellt haben. Dagegen gehen der Bund der Landwirthe und die Reformer im Wahlkreise Waldeck, wo die Nngiltigkeitserklärung der Wahl des Abg. Dr. Böttcher eine Nachwahl veranlaßt, Hand in .vaiw, um den Gutsbesitzer I. Müller aus Nutzhorn in Oldenburg durchzubringen.

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