Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 1 (Juli 1895)
- Article
- Aus Moritz Veits Leben
- Date
- 1895-07-01
- Page
- 24 (sequence 8)
- Language
- German
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24 Im deutschen Reich. gelesen. Sie billigen es gewiß, daß idi ohne Umschreibung meine Meinung gesagt habe, wozu mich Ihre eigene Aufforderung, öffentlich über Sie zu sprechen, berechtigen mußte. Das ist es aber noch nicht, warum ich heute an Sie schreibe. Ich wollte Sie nämlich an Ihr Versprechen vom vorigen Jahr erinnern, daß Sie für den Jahrgang 1831 des Berliner Musenalmanachs, was au Gedichten Ihnen gelingen würde, aufbewahreu wollten. Wie genialisch Sie auch gesinnt sein mögen, so haben Sie den Vortheil, daß Sie für's nächste Mal ein Xenion und gewiß ein recht beißendes, gegen sich selbst richten können. Der Einwand, daß Sie nichts haben, gilt nicht mehr. Es ist uns sogar zum Vorwurf gemacht worden, daß Sie im Musenalmanach fehlten. Wie ungerecht! Wenn Sie bald nach Berlin kommen sollten, so köimten Sie mir mündlich antworten, auf jeden Fall aber bitte ich Sie um baldige Antwort, ob überhaupt auf Sie zu rechnen ist!" Das war freilich nicht der Don, um von Heine etwas zu erlangen. Berechtigt zu solchem Tone war Veit allerdings, da sowohl Maximilian (s. oben) als Heinrich im Veit'schen Kreise viel verkehrte. Grüße an Veit (für das Folgende hat mir G. Karpelcs freundlichst Einzelnes zusammengesteltt) finden fiel) in Briefen an Jos. Lehmann und M. Moser; durch Letzteren ließ er ihn auffordern über die Nordsecbilder zu schreiben, ja, er erbot sich sogar, die Kritik zum Druck zu befördern. Trotzdem war er über Veit's Kritik (sie erschien am 3. Februar, vgl. Strodtmann I, S. 5b4 ff.) sehr ungehalten, wie er an Varnhagen -7. Februar 1830 schrieb, und beschwerte sich bitter über den jungen Mann, der ihm früher „als blinder Enthusiast und Anbeter anhing." Daß er in dieser Stimmung, nachdem er schon für den ersten Jahrgang abgelehnt hatte (Strodtmann I, S. 580) auch für den zweiten nichts gab, verstand sich von selbst. Veit's Kritik war übrigens eine treffliche Arbeit. Bei aller warm ausgedrückten Verehrung für Heine's großes Talent tadelte er mit starken Worten das allzngroße Hervordrängen seiner Persönlichkeit und Selbstpersifflage, die absichtliche Frivolität, die Selbsttäuschung, als' wenn politische Befreiung ihm eifrigst am Herzen liege, das Nnznsammenhangendc der Eomposition des ganzen Bandes. Glücklicher als mit Heine war Veit mit Goethe. Dessen