Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Zweiter Jahrgang 1808-1809
- Issue
- 2 Bd. 6 H. (1809)
- Article
- Patriotische Gedanken und Wünsche
- Date
- 1809-01-01
- Page
- Seite 418 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2304627-2304649-2304651-10857277-2316050--02253-2316553- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
4*8 --- halten, so ist es doch weit nachthriligcr, für jeden Einzelnen/owvhl, wie für das Eanzr, wenn man die gesummten Lehren aus den Augen setzt, und so den Kern samint der Schale wegwirft. Wer die Mosaischen Gesetze wohl begreift» der findet, daß sie nächst den unschuldigen Ccrcmonialgesctzen nothwendige Gesetze enthalten, die in der Moral gegründet sind. Wehe demjenigen, der in unfern gcsammten Vorschriften nichts als gleichgültige Ccremonial-- gesctze zu sehen wohnt, die er sammtlich ohne Bedenken verwerfen konnte. Ein solcher. Mensch wird, wenn Natur und Erziehung für ihn nicht genugsam gesorgt haben, bei unrichtigen Ansichten der Dinge, bei heftigen Leidenschaften und in schlechten Gesellschaften ein Abschaum des Menschengeschlechts, er scy übrigens von geringem oder vornehmen Stande. Die altere Geschichte sowohl als die neuere liefert uns die Belege des bekannten Satzes, daß nämlich Irreligiosität dem Staate schädlicher als die schlechteste Religion, und daß Bigotterie lange nicht so verderblich als Sansculotterie ist. Wollen wir indessen die reinen göttlichen Lehren unter dem Schwall menschlicher Satzungen hcrvorsuchcn, so müssen wir zuvörderst unfern Geist durch Wissenschaften aufzuklarcn suchen; denn nicht nur die Wissenschaften, welche auf Prinzipien der Vernunft, sondern selbst diejenigen, die auf wissenschaftlichen Oatis beruhen^genrahren uns richtige Ansichten in derReligio«.^_ Wie aber die schädlichen Auswüchse in unserer heilsamen Religion aus unserer Mitte weggrfchafft «erden sollen, ist ein Problem, das wahrscheinlich erst von unfern künftigen Generationen ganz aufgelöst «erden