Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Zweiter Jahrgang 1808-1809
- Issue
- 2 Bd. 6 H. (1809)
- Article
- Auch ein Wort über die Frage: Ob die Menschen mit gleichen Anlagen geboren werden
- Date
- 1809-01-01
- Page
- Seite 373 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2304627-2304649-2304651-10857277-2316048--02205-2316508- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
sicrr Fallen mmehmen kaffen, daß sie irf bfr individuelle» ConiHmlion des Körpers, in dem Gesundheitszustände, in den Umständen, welche schon während der Schwangerschaft ans den Embryo wirkrcn, ihren Grund Haben. Aber diese Beobachtungen schwächen wenigstens den Hanptvorwurf derjenigen, welche die völlige Gleichheit moralischer Anlage» behaupten. Sie finden im Gegeuchcile die Aufhebung alles Unterschiedes zwischen Tugend und Laster w>d aller moralischen Zurechnung und lassen den Pöftwich.t so mit der Vorsehung rechten: Warum gabst du mir nicht eben die Ankagen^zum Guten wie jenem? Warum mußten sich bei mir von dem Beginnen meines Dascyns an Dispositionen zu diesem oder jenen Fehler finden? Ist es meine Schuld, wenn der Keim des Dösen, den du selbst in mich gelegt hast, sich weiter auebildcte und mich zu einem verworfenen Menschen machte? Gerade diese Vorwürfe, nur etwas an» dcrs gestellt» könnte der Lasterhafte auch dann der Natur machen, wenn man die Gleichheit der moralischen Anlage annimmt. Du hast mir, würde er sich ansdräcken, eben die Anlagen zum Guten gegeben, wie jenem; ich hätte ein eben so vvrtreflichcr und edler Mensch werden können, aber die ersten Eindrücke» welche durch fremde Grgmstände in der ersten Periode meiner Entwicklung auf mich gemacht wurden, hattm einen verderblichen Einfluß auf mich. Ich habe daran keine Schuld. Ich führte die Umstände nicht herbei, sondern du, und ihrem Einflüsse auf mich entge» gen zu arbeiten, daran fehlte es mir in jener Zeit auch ohne meine Schuld ganz an Vermögen, mfdfti der Folge waren die gemachten Eindrücke schon jn tief eingeprägt, schon zu sehr mir meinem Wesen verwebt, als daß ich noch