Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Zweiter Jahrgang 1808-1809
- Issue
- 2 Bd. 6 H. (1809)
- Article
- Auch ein Wort über die Frage: Ob die Menschen mit gleichen Anlagen geboren werden
- Date
- 1809-01-01
- Page
- Seite 370 (sequence 6)
- Language
- German
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370 keit? Keineswegs. Der Sterbliche ist zu schwach, die Reihe der Wesen zu übersehen und zu beurcheilen, warum sie so und nicht anders gestellt und geordnet sind. Ihm gebührt es also nicht, die göttliche Weisheit zu meistern! er kann nur schauen, erstaunen und schweigen. Mit eben dem Rechte könnte sich dann auch der Wurm, der im niedrigen Staube kriecht, beschweren, daß die Natur ihn nicht zum freien Schmetterling bildete, das Pferd, daß sie es nicht zur Würde des Menschen empor hob, der Mensch, daß er nicht . indieKlaste HerSeraphsgehört. Und fiele denn etwa der "Mörwurf dek Ungerechtigleil weg^ wenn man alle Menschen mit gleichen Anlagen geboren werden laßt? Erscheint er nicht vielmehr in einem noch starkem Lichte , da er sich zugleich mit dem Vorwurfe der Unzweckmäßigkeit vereinet? Wie, könnte ich gleichsam zur Natur sagen, Du hast mir eben die Anlagen, wie jenem bewunderten, seiner Talente und seines Genres wegen gepriesenen Manne gegeben, der so weit über mich emporragt! warum versetztest du mich in Umstande, daß ich diese Anlagen, die doch dein Werk find, . nicht eben so entwickeln, mich nicht auf eine eben so hohe 'Stufe der Bildung emporschwingen konnte? Wozu gabst du mir diese Anlage«, wen« sie unbenutzt bleiben sollten? wolltest du dein eigenes Werk wieder zerstören? Kann dir das Prädikat der Weisheit gebühren, wenn du so deinen eigenen Zwecken entgegen handelst? Oder bist du nicht auch die Schöpferin der Umstände, uüter denen aufivnchs? Kann ich dafür,daß meine Eltern so wenig für meine Ausbildung rhun konnten? War es meine Sckmld. wen« ich bei dem besten Willen, bei dem redlichsten Weiße, bei —deu-ges^iMefim-Md-