Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Zweiter Jahrgang 1808-1809
- Issue
- 2 Bd. 6 H. (1809)
- Article
- Auch ein Wort über die Frage: Ob die Menschen mit gleichen Anlagen geboren werden
- Date
- 1809-01-01
- Page
- Seite 368 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2304627-2304649-2304651-10857277-2316048--02200-2316503- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
fruy *dfß z6z' wie Herrn Tschirncr einleuchten will, daß die große Verschiedenheit, welche doch offenbar unter den Individuen des Menschengeschlechts angctroffcn wird, bloß in dem Einflüsse äußerer Dinge gegründet fty. Sollte nicht vielmehr in der Anlage jedes Keims etwas ursprünglich Gcge. bcnes ftyn, was dieser oder jener besondern Entwicklung zum Gründe liegt? Gehört so etwas nicht nochwendig dazu, um ein Individuum, d. h. ein für sich deflehendes, durch eigenthümliche Merkmale von andern verschiedenes Ding zu consiikmreii? Sollte die Natur gerade das, was jeden ein. zclncn Menschen zum Individuum macht, dem bloß zufälligen Einfluß der Außcndinge überlassen haben? Man nehme das Genie eines Friedrich, eines Kant, Göthe, Schiller, M o zart und anderer großen Männer und stelle sic dem zahlrcichcnT-roß gemeiner Naturen gegenüber, die ohne Sinn für das höhere Geistige gleichsam nur da sind, um zu vegetircn, sich zu nähren, zu arbeiten und dann ein unrühmlichcs, durch nichts sich auszeichnendes Daftyn zu enden. Ist da wohl noch der Gedanke möglich, daß jene mit diesen der Anlage nach ganz dieselben Menschen sind, daß nur äußere Umstande es waren, welche jene auf die hohe Stuft, wo wir sic erblicken, erheben und diese in ihre Niedrigkm herabsenktcn? Woher kommt es denn, daß, wie die Erfahrung lehrt, das wahre Genie selbst unter dem Drucke der ungünstigsten Umstände sich emporarbeitet, jede Fessel abwirft und auf einmal als ein Stern erster Größe nnftcn erstaunten Blicken entgegmfunkclt? Ist es nur möglich, daß äußerer Einfluß eine so große Wirkung hcrvorbringen kann? Sind es bloß leere Redensarten, wenn man sagt, dieses Kind hat zn der oder jener Wissenschaft und Kunst