Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Zweiter Jahrgang 1808-1809
- Issue
- 2 Bd. 4 H. (1809)
- Article
- Philosophie und Poesie - Erzieher des Menschengeschlechts
- Date
- 1809-01-01
- Page
- Seite 244 (sequence 22)
- Language
- German
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*44 Behandlung seiner physischen Triebe auf die schwere Kunst der Selbstbeherrschung vorbereitet worden: dann werden die heiligen Züge der Lugend nicht erlöschen mir dem erkältenden Gefühl. Vernunft. Mmahlig cntziffre'der Erzieher dem Jünglinge die Hieroglyphenschrift der ewigen Natur, rege allmahlig den Sinn für die großen Fragen — nach dem Grund und Endzweck der Dinge—in seinem Innern an, und leite ihn so sanft hinüber von dem Irdischen zu dem Eötrlichcn. Er lehre ihn die Hindernisse kennen, die sich hier im Staube dem erhabnen Streben des Mcnschen, das göttlichc Ideal zu rcalistrcn, entgegen stellen, die Hindernisse, die die Wahrheit verdunkeln, die Schönheit verunstalten und die Tugend beschranken. So leite er ihn über die irbischen Schranken der Phantasie, des Willens und der Vernunft hinaus, und erzeuge auf diese Weise den Glauben an eine bessere Zukunft jenseits des Grabes in seinem Gemütb, den Glauben an einen Zustand, wo Schönheit, Wahrheit und Tugend eins scynwerden, wo das Reich der Ideen zu einer vollendeten lebendig blühenden Natur sich entfalten wird. Dieses ist Religion. Trüge der Mensch das göttliche Ideal von Wahrheit, Schönheit und Tugend nicht in seiner Brust, lebte in ihm nicht die festeste Ucbcrzeugung, es müsse dereinst realisirt werden , leitete ihn dieses ewige lebendige Streben nicht von selbst über das Leben hinaus, wäre auf diese Weise die Sehnsucht nach einem vollendeten Zustande nicht ein ewig mahncndes Bedürfniß seines Herzens: dann würde von Reli-