Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Zweiter Jahrgang 1808-1809
- Issue
- 2 Bd. 4 H. (1809)
- Article
- Philosophie und Poesie - Erzieher des Menschengeschlechts
- Date
- 1809-01-01
- Page
- Seite 228 (sequence 6)
- Language
- German
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228 Her; des Menschen sollen ihrer Bestimmung gemäß entwi« ckclt werden, die nur der Philosoph und der Dichter ganz zu begreifen vermögen. Das Leben soll dem Menschen das werde», was cs dem wahren Dichter und Philosophen ist, das ganze Wirken und Streben des Menschen nur eine solche Tendenz haben, die sie in den Augen des Dichters und Philosophen haben kann, und diese war Dar« sicllung des Geistes der Natur in der Erschcinung, scy es durch Erforschung der Wahrheit, sey es durch Darstellung der Schönheit, oder endlich durch Ncalisirung des sittlichen Ideals, durch Thätigkeit der Vernunft, Phantasie und des Willens. Das Menschen« gcschlecht wurde sich, wie ein Thcseus, in den Labyrinthcn des Dascyns verirren, wenn ihm die Erziehung nicht den Ariadnen - Faden reichte, an deines selbsithalig sich seinem erhabenen Ziele, den: Licht zu nähern vermag. Sie ist also nicht Schöpferin, nein, nur Leiterin. Sie kann cs nicht mit Kraft und Starke ausrüsten, den mühsamcn Weg zu vollenden; sic kann und soll um dasselbe den finstern Pfad nur lichten, die Hindernisse entfernen, die in ihm und außer ihm da sind. So breite sie demnach das große Dcwußtscyn vor seinen Blicken aus. Sie öffne dem Menschen das Ich und lasse ihn schöpfen daraus die Natur; lasse Wahrheit, Schönheit und Tugend als Eöttcr daraus hervorgehcn und in den Tempel des LebcnS treten, und an ihren Altären lehre sie den Menschen opfern. Eie bilde ihn daher im rechten Sinne zum Denker, Dichter, zum handelnden Menschen, erhebe also seine Vernunft zum Ticfßnn, seine Eiubiloungskraft zur Phantasie, entwickle aus seinem Besirebungsvcrmögen die Kraft, eines