Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Zweiter Jahrgang 1808-1809
- Issue
- 2 Bd.3 H. (1809)
- Article
- Versuch einer Beantwortung der Frage: Ob die Menschen mit gleichen Anlagen geboren werden?
- Date
- 1809-01-01
- Page
- Seite 181 (sequence 8)
- Language
- German
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Frucht, durch den Einfluß oft geringfügiger D!nge von <cfiten der erften auf diese begründet werden können? Wie dürfte man daher noch physische und moralische Gleichheit unter den Menschen suchen wollen, und, was noch schlim« wer ist, diese Unnatur — Natur nennen? Unsre vorstcllenden Kräfte konnten ja wohl in ihrer Thatigkeit abgestumpft, und auf unwürdige Gegenstände geleitet worden scyn. Die Entwicklung derselben konnte einseitig, konnte zu einer unnatürlichen Reizbarkeit gewohnt worden seyn. Dadurch mußte nothwcndig eine Disposition herrschend werden, herrschend über alle übrigen Seelenkraftc, und mithin die ruhige, vernünftige Besonnfnheik verloren gehen; allein war daran die Natur schuld? Zufolge des Gesagten durfte der Satz: daß die Natur verschiedcnc Dispositionen zu Tugend und Lastern erzeugt, wohl keine Kraft mehr haben. Denn ist Anlage zur Tugend und zum Lasier in dem Menschen, d. h. legte die Natur .zu beide» den Keim in uns: so sind wir.ja verpflichtet ihn zu nähren und z» entwickeln; denn was sie ursprünglich erzeugt, muß gut scyn, diesem darf nicht entgegen gearbeiket werden; weil alles, was an die Stelle der Natur tritt, und sic verdrängt, Kunst, Unnatur nothwcndig seyn muß. Hat derjenige, welchen die Natur mit diesen Anlagen be« glückte, einen beträchtlichen Vorzug vor dem Andern, welchfr glcichsam >ütr^"vmsMstern von ihr gestempelt wurde; so begründet die Natur ja offenbar Unvollkommcnheittu, und Tugend und Laster sind eins, entspringe» aus einer Quelle. Wodurch verschuldete der Lasierhaftgcborne diese schreckliche Unvollkommenheit? Sollte er die Parteilichkeit