Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Zweiter Jahrgang 1808-1809
- Issue
- 2 Bd.3 H. (1809)
- Article
- Versuch einer Beantwortung der Frage: Ob die Menschen mit gleichen Anlagen geboren werden?
- Date
- 1809-01-01
- Page
- Seite 179 (sequence 6)
- Language
- German
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viel heißt, als Anlage zur Tugend) ist die intellectuclle An« läge in ihrer Entwicklung auf moralische Erkcnntniß; es ist die Anlage zur moralischen Vernunft, welche sich zur gesetzgebenden Kraft erhebt und das Ideal der Tugend entwirft. Die Frage ist nun: Waltet hier eine Verschiedenheit ob? und können wir dieses erfahren? Es ist nicht luöglich! denn znfördcrst müßten wir die Gränzlrnie genau bestimmen können, welche zwischen Na« tnr und Nichrnatur, d. h. zwischen den ursprünglichen von der Natur gegebnen, und den Veränderungen, welche durch zufällige Dinge, als Erziehung, Schicksale des Lebens, . Zeugung u. s. w. begründet werden, gezogen ist. Dazu gehört aber, daß wir beides genau abzusondcrn vcrmöch« len. Was ist denn reine nnvcrmischte Natur? in welchem Moment ist der Mensch von allen zufälligen Einflüßen, die nicht wesentlich zu seiner Natur gehören, gänzlich frei, d. h. in welchem Moment ist ergänz reine Natur?—Welchcs sind alle die geheimen Nuancen, durch welche er sich, von dem Moment der Zeugung an, bis zu seiner Geburt entwickelt? Alle diese Fragen müßten wir beantworten könncn, um ohne Hypothese eine Erklärung wagen zu können. Allein hier verlaßt uns die Erfahrung, und wollten wir durch ihre Hülfe entscheiden, dann würden wir uns von einem bloßen Scheine tauschen lassen. Laß verschiedene Charakterzüge durch unsre verstellenden Kräfte begründet werden, wird Niemand in Abrede scyn; allein dieses be« weist nicht die angcborne Verschiedenheit dieser Kräfte selbst. Denn wovon hängt dir Anwendung, die Ausbildung der« N 2