Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Zweiter Jahrgang 1808-1809
- Issue
- 2 Bd. 2 H. (1809)
- Article
- Westphalen [Nachricht]
- Date
- 1809-01-01
- Page
- Seite 116 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Lippe mit, wann nun der standhafte Moses die Bedrängten den Sklavenhandel! der Pharaonen entrissen hat? Und stimmt sic nicht, voll heiliger Glut, die Kraftgcsange David's an? Und staunt nicht jeder Blick zu Salomo's Weisheit empor? — Wahrlich! wer solche Ahnen unter seinen Glaudcnsvcrwandtcn zahlt, verdient nicht, verschmäht zu werden. Desto innigeres Mitleid mußte eben das fühlende christliche Herz empfinden, wenn cs die Abkömmlinge jener Lieblinge Gottes gestürzt sah in den Schlamm der Unterdrückung, der Schmach, der tiefsten Schmach. Und durch wen gestürzt? Ach! durch seine Glaubensgenossen, durch Verehrer der fricdscligstcn, duldsamsten Religion! u. f. w. -Aber vorüber ist sie nun, jene düstre Mitternacht. Lange» lange barg die Sonne der Duldsamkeit (der schönste Stern am Himmel achter Gottcsverchrung ) lange barg sie sich hinter den schwarzen Wolken des Vor« urthcils. Endlich thcilte ihr Strahl, siegreich, die tastbare Finsternis, und Abraham's tiefgebeugte Enkel durften ihren Nacken dem blutigen Joche entzieh». So tiefen Gram die edlcrn Christen über jene Erniedrigung des Israelitischen Volkes empfanden; so hoch steigt nun ihre thcilnchmcnde Freude. O welche menschlich empfindende Brust sollte nicht hoch sich heben, wenn im Dölkergarren rin, fast zwei Iahrtanftndc lang trauernder Baum seine welke Gestalt verwandelt; wenn er das frische Grün seiner Nachbar-Bäume erlangt, volle Blätter treibt,