Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Zweiter Jahrgang 1808-1809
- Issue
- 2 Bd. 2 H. (1809)
- Article
- Jüdische Schulanstalten
- Date
- 1809-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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90 bilbnt, kann nimmermehr in der Schule erreicht werden. Der Lehrer kann seinen Zögling wohl in der Moral unterrichten» aber nicht üben; erst nachdem dieser ans der Schule in das Leben übergegangcn ist, soll er seine Theorie anSübcn, und zeigen „daß seine Tugend nicht bloß im Kopfe sitzt." Aber nun stellen sich täglich neue Hindernisse entgegen! nun erst erwachen die Begierden und werden leider, durch das Beispiel der Umgebungen, immer mehr gercitzt und gestärkt: was werden nun die schönen Lehren wirken? Wie bald wird ihre schwache Stimme von dem Donner der Leidenschaft und dem allgewaltigen Egoismus übertaubt seyn. So war es nicht in jenen blühenden Tagen der Griechen und Römer. Damals endigte die Erziehung nicht mit den Kinderjahren, vielmehr hob sie alSdann von neuem an. Der edle Jüngling folgte einem Weisen, dessen vorzügliches Geschäft es war, seinen Schülern den Weg zu einem tugendhaften und glücklichen Leben zu zeigen. In den Tugenden, deren Ausübung er empfahl, war er selbst das schönste Muster, das der Jüngling in Wort nnd That zu erreichen strebte. Da waren Lehre und Leben inniger verknüpft, und crstcre sprach sich im jedem Momente des letztem rein und bestimmt aus. Alles dieses hak sich jetzt verändert. Der Lehrer soll seinem Zögling allerhand Kenntnisse und Fertigkeiten beibringen, womit er einst in der Welt forrkominen und sein Brod verdienen kann; er soll einen geschickten und brauchbaren Knaben — denn das ist er noch, wenn er die Schule verlaßt — auö ihm bilden, und daher nicht zu viel Zeit