Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Zweiter Jahrgang 1808-1809
- Issue
- 2 Bd. 1 H. (1809)
- Article
- Französische Literatur
- Date
- 1809-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 3)
- Language
- German
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Mißgeschickes erzogen, hat der Jude denn jene mitleidsvolle Seele erlang:, die ihn überhaupt charakterisirt: daher ist es eben so ungewöhnlich. Arme.dieser Nation ganz hülflos anzutrcffcn, als sie dem Staate zur Last fallen zu sehen. Mit Recht würden wir tue Epirhete roh und ungebildet verdienen, mit denen uns gewisse Personen belegen, wenn wir, wie sie selbst, die Thüren vor den Dürftigen verftbleßen, aus Furcht, etwas von dem Ueberfluß mirchcilen zu müssen; aber min! unter uns findet ftdcrUnglückliche, jeder Arme auch bei dem weniger Demittelten Schutz und Hülfe *). Wenn gleich diejenigen, welche mit Ergötzen auch in den lobcnewürdigsien Handlungen unedle Absichten suchen, in diesem Vereine nur eine sträfliche Uebcrcinftimmung erblicken sollten, so wird doch *) Es wird selten der durstige Christ, der den Inden um ein Almosen anspricht, von demselben unbefriedigt zurückgewiesen. Dw jüdischen?lrmcnanstalren für dürftige Reisende in cncticn Elätrcn, wie Berlin, Wien, Amsterdam u. a. sind weltbekannt; aber auch in kleinen Städten und Flecken, wo vielleicht Zwei bis drei jüdische Familien wohnen, darf der arme Reisende seine Hülfe nicht weit suchen. Er meldet fick nur bei dem Ärmcnrcrstcdcr, empfängt von demselben ein Bittet, das er einem daselbst wohnenden Juden, an dem die Reihe der Verpflegung ist, übergicbr, wodurch er nicht nur unentgeltlich an feines Wirrdes eignem Tische gewähret und gespciser wird; sondern er erhält auch noch einen Zchrvsemiig, der bis zu dem nächsten Orte, wo er wieder von Neuem unterstützt werden kann, hinreicht. Ja, ist es ein Gebrechlicher odcr.Kranker, der nickt zu Fuße gehen kann, Er ein Echrrfrgelehcter, so wir) ihm, den religiösen Gesetzen gemäß, eine Fuhre von einem Orte zum andern verschafft. Anm. r. Ueberf.