Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Zweiter Jahrgang 1808-1809
- Issue
- 1 Bd. 6 H. (1808)
- Article
- Über Massora und Massoreten
- Date
- 1808-01-01
- Page
- Seite 398 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wendigkeit, das Schicksal, dcm selbst diese Gottheiten nicht weichen können, war ihr höchstes Ideal, in dem sie für ihr unterdrücktes Leben einen leidigen Trost fanden. Die Phantasie, die so gern ihr Spiel mit dem Menschen treibt, kam dem Verstände zu Hülfe; man dichtete den Gottheiten menschliche Gestalten, menschliche Schwachheiten an, stellte das Unbegreifliche im Begreiflichen dar, und setzte die Unsichtbaren zur Sichtbarkeit herab. Ein schändlicher Kultus, der sich bis zum grausenhaftcn Menschenopfern hcrabwürdigtc, war die traurige Folge davon. Die Religion, das höchste Gut des Menschen, ward ein Gegenstand des Betrugs, der Laster und Cchanbthatcn erzeugte, und die Gottheit selbst mußte den niedrigsten Leidenschaften fröhncn, die in Tempeln ihren Sitz hatten und in Orakeln sich aussprachcn. Der reine, achte Glaube erhielt sich nur bei wenigen Edlen; die Nachkommen Sem's und Ebcr's bewahrten diesen Schatz, der ihnen von der früher» Welt blieb, vererbten ihn auf Kinder und Enkel und nur erst in den Zeiten der Patriarchen ward er, unterstützt von alten und so-"gesetzten Traditionen und begründet durch eignes Nachdenken, der Familicnglaube der ersten Hebräer, der den nachmaligen Israeliten als ein köstliches Erbe von ihren Ahnen zum bleibenden Eigcnlhrimc hinterlassen ward.— Die Periode der Nationalisirung begann nun für die unterjochten Israeliten. Der Glaube soll nun nicht bloß jd ca lisch bleiben, er soll sich an Handlungen anschlicßen; er soll nicht mehr im beständigen Kampfe mit der unvollkommenen Einstcbt scyn, nicht, durch Irrthümcr geleitet,