Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Zweiter Jahrgang 1808-1809
- Issue
- 1 Bd. 4 H. (1808)
- Article
- Über Aufklärung und Aufklärer
- Date
- 1808-01-01
- Page
- Seite 228 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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228 Nein! wahre Aufklärung besteht nicht in einem unbesonnenen Verwerfen alter, ehrwürdiger RcligionsccrcmonieNs ohne an ihre Stelle etwas anderes, etwas Besseres dafür zu geben, ist ganz etwas anders, als ein kindisches Haschen nach dem Neuen, um der Neuheit willen. Prüfet und das Beste behaltet. Nun — ich wiederhole das oben Gesagte in Kurzem — was der Aberglaube als heilig aufsiellt, mit einer religiösen Farbe belegt, und für achte Religiosität fcilbietet; was Schwärmer erfunden haben, um in drüchende Fesseln der knechtischen Furcht den freien Menschen zu schmieden; Eifer ohne Verstand, Glaube ohne Tugend, und Frömmigkeit ohne Menschenliebe — das sucht sie zu verdrängen und zu entlarven; denn denken soll der Geist und hell schauen das Auge eines jeglichen Menschen. Co wird sie des Glaubens Stütze und Hand in Hand führen sic den Sohn der Nacht über die Spanne Lebens, die ihm zuge» »ncsscn ist, sic erhebt ihn über die sehr oft ungerecht scheinenden Verhältnisse des irdischen Ceyns, und verleihet ihm Schutz und Schild, allen Gefahren Trotz zu bieten. Wird man nun anders als durch ein lautes Ja die Frage beantwort^ können: ob es gut sey den Menschen aufzuklaren? — Sollen wir dem Menschen das entziehen, was ihm das unentbehrlichste ist, die Wahrheit, nach der ein jedes mit Vernunft beseelte Wesen unaufhörlich forscht und strebt? Schwerlich aber würden wir dicß höchste Gut erlangen können, wenn wir nicht erst versucht hatten, unscrn Verstand zu erhellen und unsere Begriffe zu erleuchten, damit wir selbst zu denken und fe l b st zu handeln vermögen.