Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Zweiter Jahrgang 1808-1809
- Issue
- 1 Bd. 4 H. (1808)
- Article
- Über Aufklärung und Aufklärer
- Date
- 1808-01-01
- Page
- Seite 226 (sequence 10)
- Language
- German
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22v Ohne den im Denken ungeübten Menschen mit dem Wesen und dem Charakter wahrer Religiosität vertraut gemacht zu haben, suchten sie bei demselben Zweifel gegen seinen bisherigen Glauben zu erregen; alte Begriffe wurden von ihnen verworfen, wenn sie auch wirklich das Gepräge der Wahrheit an sich trugen, und neue suchten sie zu verbreiten, mochten sie auch grundfalsch und nur auf Sophisterei gebaut seyn; den Ccrcmvnicn, in denen doch alle Religionen emgehüllt sind, singen sie an zu entsagen, und nur das wollten sic anerkennen, was die Vernunft einst« hen, und die Drille des Philosophen gut heißen kann, vergaßen aber, daß wir hieniedcn nicht im Schauen, sondern nur im Glaube» wandeln. Dieser Weg wurde allmählig von mehreren betreten; es fanden sich Nachahmer, die die Religion nun als eine drüchcndr Bürde anzusehcn anfingcn, und von der mächtigen Zauberin der Sinnlichkeit bestochen, keinem ihrer wohlthatigen Gesetze sichnn« tcrwcrfcn wollten *), und das nannten sie mit stolzer Selbstgenügsamkeit Aufklärung. Sich brüstend mit dieser Falschen suchten sic alles zu verlachen, was sie nicht mit Händen betasten konnten; die Religion diente ihnen im Angesichte des ^'meinen Mannes und der leichtsinnigen Jugend zur Zielscheibe ihres faden Witzes» und Narren schollen sie. diejenigen, die schwachko'pfig genug waren, andern Authoritätcn, außer der ihrige», zu gehorchen. Die *) Von dieser Klasse Menschen heißt es im Midrasch sehr richtig und schön: IN« Sscm n« D’wenn ^r^’n in» emo n« o’ssno c'pnxni emo lDie Frevler richten ihren Verstand nach ihren Begierden; die Frommen hingegen, die Begierden nach dem Verstände.)