Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Zweiter Jahrgang 1808-1809
- Issue
- 1 Bd. 3 H. (1808)
- Article
- Der Monat Ab
- Date
- 1808-01-01
- Page
- Seite 213 (sequence 4)
- Language
- German
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Ist cs nun nicht zu läugncn, daß viele der gedachten Cercmonien wirklich dazu geeignet sind, dem Zwecke deck Tages gemäß, das Eemüth zur Wchwuth und Trauer zu siiwmen, so wäre es doch zu wünschen, daß mehr Regel» Mäßigkeit und Feierlichkeit dabei herrschten, und daß; B. siatt der viele» hebräischen Klagelieder, von denen manche ganz geschmacklos, sprachwidrig und unverständlich sind, und die wegen der nutzlosen Widcrholnngcn und Taukologiccn, die darin vorhanden sind, das Her; des Lesers von alle» guten Eindrücken leer lassen, vom Rabbiner eine kraftvolle, passende deutsche,Rede gehalten werden möchte. Die Begebenheiten dieses merkwürdigen Tages würde» dem Redner Stoff genug darbietcn,. seine Zuhörer zur wahren Andacht und zu einem, guten moralischen Lebenswandel zu erwecken und aufznmuntcrn. Die portugiesischen und italianischen Inden zeichnen sich auch an diesem Tage durch mehrere feierliche Gebrauche, die dem Zeitgeschmäcke angemessener sind, rühmlich aus. In ihren Synagogen herrscht an diesem Tage, so wie überhaupt, mehr Ordnung und feierliche Stille, die äußerlichen Zeichen und Ceremonicn der Trauer sind imponirendcr, der Geist findet mehr Nahrung, die Gcmüthcr werden weit mehr zur Andacht und zur Frömmigkeit erweckt, als bei uns. Unter den gedachten Klageliedern zeichnen sich besonders an Schönheit, rein hebräischem Ausdrucke und echtem poetischen Styl die letztem aus, welche unter dem Namen: die Zione, bekannt sind, weil die meisten sich mil dem Worte Zion anfangen. Man giebt ihnen besonders den Vorzug , daß sie nur von den Angesehensten und Gelehrte-