Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Zweiter Jahrgang 1808-1809
- Issue
- 1 Bd. 3 H. (1808)
- Article
- Ein Wort über die Juden zu Livorno
- Date
- 1808-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 6)
- Language
- German
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Synagoge selbst herrscht jederzeit ein feierlicher Ernst, und man sicht es den Versammelten an, daß sie von dcr-Würdc und Heiligkeit ihrer Beschäftigung durchdrungen sind — etwas, was man leider so oft in unfern Synagogen vermißt. Allgemein sind die Juden aus Livorno als rechtliche und ehrliche Handelsleute bekannt, auf deren Wort und Zusage man sich verlassen kann. Eie halten auch unter sich sircnge auf Moralität, und die in den Familien herrschende Harmonie und Liebe ist eine ihrer schönsten Früchte. Der Gehorsiim der Kinder gegen die Eltern kennt keine Grauzen. Ohne Klagen bricht ein Mädchen seine Verbindung mit einem Jünglinge, wenn die Eltern cs cineni Greise geben wellen, und obgleich solche Falle nicht ungewöhnlich sind, so ist Untreue in der Ehe doch höchst selten. Eie wird wegen der Ecprcßtheit, mit der die Juden hier neben einander wohnen, außerdem noch erschwert, und den in Italien herrschenden Gebrauch der Cavalieri servanti oder Cicisbei haben die Juden nie angenommen. Cie sehen, verehrter Freund, daß die Inden ans Livorno auf dem sichersten Wege sind, sich allgemeine Achtung und Wcrchschatzung zu verschaffen; denn was führt! sicherer dazu, als eine aufgeklärte, edle Denkungsart, wissenschaftliche, echte Bildung zur Humanität und m sittlicher und rechtlicher Wandel? Und wodurch kann dicß alles mehr befördert und allgemeiner gemacht werden, als durch zweckmäßig eingerichtete Schulen; denn die Richtung, die Geist und Her; in unserer Jugend bekommt, behalten sic ihre ganze Lebenszeit hindurch bei. Wir haben zwar in unserin deutschen Vatcrlande mehrere jüdische Schulen in denen ein sehr guter Geist einheimisch ist —j. B. zu Königs-