Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Zweiter Jahrgang 1808-1809
- Issue
- 1 Bd. 1 H. (1808)
- Article
- Nachrichten, die Israeliten im Königreich Westphalen betreffend
- Date
- 1808-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
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20 mannigfach. Durch sie gerath man oft auf Abwege, wenn man sie nicht aus ihrem gehörigen Gesichtspunkt betrachtet, sie trennt Menschen von Menschen, und hat nicht seiten Wirkungen hcrvorqcbracht, die ihrer eignen Quelle nicht nur nicht entsprechen, sondern sogar schnurstracks zuwider kaufen. Schon in der ersten Kindheit der Welt, seitdem Gott den Menschen mit einem fühlenden Herzen auf Erden erschuf, haben sich jene frommen Gefühle in demselben verspüren lassen. Selbst die ersten Götzendiener, sagt Rabbi Moses Maiwonides, empfanden Ehrfurcht und Liebe für das allerhöchste Wesen, welches sie schuf und ihnen wohl thar, und strebten, ihm für seine Allgüte dankbar zu scyn. Nur irrten sie sich in der äußern Form. Der sinnliche Mensch ist gewohnt, alles mit dem Maaßstabe seiner Sinne zn messen, besonders war dieß der Fall in jenen finstern Zeiten wo die Sonne der Weisheit und deS Wissens noch im tiefsten Dunkel verschleiert war. Das Herz aber war rege, war im Streben, sich dankbar und unterwürfig dem» jenigcn zn bezeigen, dem wir unsre ganze Dankbarkeit und Unterwürfigkeit schuldig sind. Allein der Verstand schwieg, die Art, wie u.an seine Ehrfurcht gegen Gott bezeigen kann, war noch unbekannt. Nun erhob sich das sinnliche Auge gen Himmel empor. Sonne, Mond und Sterne fiele« durch ihren prachtvollen Schimmer auf, und diese großen Km per. die Händewerke des erhabenen Schöpfers, wurden bald für die Gottheit selbst angesehen; zu ihnen fliegen Gebete hinauf; Echlachtopfer, Wein und Weihrauch, und was sonst die finstre Schwärmerei erfinden konnte, wurden ihnen geweihct. Die äußere Form verschlimmerte sich immer mehr und mehr, und artete endlich dergestalt aus.