Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Erster Jahrgang 1806-1807
- Issue
- 2. Bd 4 H. (1807)
- Article
- Über den Hang das Gesetz zu übertreten, oder über den Reiz gegen Verbote zu handeln
- Date
- 1807-01-01
- Page
- Seite 260 (sequence 3)
- Language
- German
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tigkeit wieder zu überlassen. Die Mütter nennen diese Unart Eigensinn, und das Sprichwort: Wenn man Kindern den Willen thut, so weinen fie nicht, schreibt sich daher. Wir finden diese sogenannte Unart ohne -Ausnahme bei allen Kindern, auch bei denen, die das Lob der Folgsamkeit haben, nur — wie sich von selbst versteht — nicht überall i unter den nämlichen Modifikationen, bald in einem starkem, bald schwachem Grade. Wir finden ihn ferner bei Kindern von einem Alter, wo die Thatigkcit noch ziemlich eine bloß thicrische, eine ohne Sclbstbcwnßkscyn, mithin ohne Erkennmiß des Zweckes und der Absicht, sich insimktmaßig äußernde Regsamkeit ist, die nicht überlegen, nicht berechnen kann. Wir finden sie bei einem Alter, wo sich noch kein Funke der sittlichen Vernunft regt und vermöge ihres langsamen Entwicklungsganges auch nicht kann, wo als» von nichts weniger, als von einem Bewußtftyn desjenigen, was Recht und Unrecht ist, die Rede fcyn darf — weil noch nicht einmal Begriffe, sondern nur sinnliche Abblätterungen von den äußern Gegenständen, wie bei demThiere, in der Seele des Kindes vorhanden sind. Jedem Menschen und vorzüglich Eltern und Lehrern muß nothwendig, wenn sie gewohnt sind, über alles ernsthaft und anhaltend nachzudenken — die Frage kommen: Welches sind die Ursache» dieser nichts weniger als gleichgültigen Erscheinung? Sind es natürliche oder künstriche? Welches Resultat laßt sich für unsere Erkcnntniß daraus ziehen, und welchen Vortheik kann und wird es der Erziehung gewahren? .Wenn das vorhergehende, was einzig und allein die Erfahrung entscheiden muß, wirkliche Thatsache ist, so laßt sich, was d» Natur diestr Erscheinung, wie die Quelle, worin sir