Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Erster Jahrgang 1806-1807
- Issue
- 2. Bd 3 H. (1807)
- Article
- Bemerkungen eines Reisenden über den Charakter der Einwohner in Galizien
- Date
- 1807-01-01
- Page
- Seite 186 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2304627-2304646-2304648-10856499-2314787--00882-2315084- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
*86 statt die Industrie zu ersticken, find beinahe düe einzigen, welche sie in Galizien aus« üben; die einzigen, welche sie durch ihr Beispiel erwecke« würden, wenn ein so verworfenes Volk als die galizischcn Bauern noch für irgend eine Nacheiferung empfänglich wärt, und wenn die Herren, welche ihre Untcrthanen den Juden in Pacht gebe«, nicht selbst das Möglichste thäten, sie in Len Inden selbst zu ersticken. Die Juden allein sind im Stande, für ihre Bedürfnisse und Wünsche zu reisen; sie mögen nun in Galizien reisen oder sich hier ftstsctzcn. Eie sind dir Schneider, Schuster, Tapezierer, Kirschner, Glasmacher, Goldarbeiter, Graveurs, sie polircn die Steine und bebauen die Felder, die sie in Pacht haben, besser, als ihre christlichen Nachbarn, weil sie das Ecsäme von der Fremde milbringcn: das Bier, welchcs sic brauen, ist fast das einzig trinkbare; sie sind überall die Eastwirthc und oft finden Sic etwas, womit Eie sich starken können, mitten in einer Wüste, in einem Dorfe, das ein Jude bewohnt, wahrend Ihnen alle christlichen Einwohner einer Kreisstadt für Ihr Gold ein Stück Brod verweigern. Dergleichen Sie weiter die Gcsichtsbildung der polnischen Inden mit den Bauern von Galizien, und Eie werden sehen, daß das einen Menschen mit einem Orang- Outang zusammen stellen heißt. In dem bleichen aufgedunsenen zermalmten Gesichte eines Bauers werden Sie kaum noch eine Spur von Geiste antreffcn, während die Äugender Juden noch größtentheils von dem lebhaften Feuer ihres orientalischen Vaterlandes glanzen. Ihre Adlernasen, ihre schön geöffneten Appen, ihre goldenen Haare, ihr Barr selbst endlich gibt ihnen ein geistreiches Ansehen, ‘ wel-