Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Erster Jahrgang 1806-1807
- Issue
- 2. Bd 2 H. (1807)
- Article
- Briefe an den Herausgeber der Sulamith
- Date
- 1807-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 5)
- Language
- German
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eben dem Fleische ist, wie du: dann leuchtet deinem Trübsinne Licht, und deine Mitternacht wird Mittag styn." *) Dieselbe Sprache führt der Prophet Micha. „Wie soll ich, fragst du» vor dem Herrn erscheinen? Wie nicdcrfinkcn vor dem Hockerhabencn? Versöhnen ihn Drandopfer? oder jähriger Kälber Blut? Ob tausend Widder wohl, zehntausend Etröhmc Ocls dem Herrn gefallen? Ob wohl mein Erstgeborner meine Sünde, ob meine Leibesfrucht die Schuld versöhne?? — O Mensch! dir ist, was Recht ist, oft gesagt worden, und was der Herr von dir fordert: Gerecht seyn —Liebe üben — Gott verehren?« — Und eben so H o se a: Ich habe Lust an der Liebe und nicht am Opfer; an Erkenntniß Gottes und nicht an Drandopfer." — Kann es eine reinere Religion geben, als hier gelehrt wird? Zst nicht echte Menschenliebe, das Verehren Gottes mit der That und mit Wahrheit, das uncrinudete Streben nach der höchsten sittlichen Veredlung der beste Gotresdienst? Ein Mann, dessen Gottesdienst im Wohlthun, dessen Lehre in allgemeiner Liebe besteht — der Türke mag ihm fluchen, wenn er nicht nach Mekka, der Mönch ihn verdammen, wenn er nicht nach Loretto wallfahrtet, der Zude den Stab der Verdammung über ihn brechen, wenn er irgend eine kleine Ceremvnie einer einzclnm Gemeinde verletzt —» er lächelt über sie, aber er steht dem Unglücklichen bei und rettet den Unterdrückten. Er ist über« zeugt, daß Glaube ohne Thatigkeit ein Körper ohne Leben ' scy, . *) Man sehr Culamith isten Bandes rtes Heft Seite 173, wo diese Stelle nach der Friedländerfchen Uc- - berfetzung angeführt ist. D. Fr.