Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Erster Jahrgang 1806-1807
- Issue
- 2. Bd 2 H. (1807)
- Article
- Briefe an ein achtungswürdiges Frauenzimmer jüdischer Religion
- Date
- 1807-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 6)
- Language
- German
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9! Ictzt rührt der wirbelnde Sturm im Innern, das brausende Toben der Leidenschaften schweigt, der Vorsatz Eutes zu wirken ist unter Gottes Augen gefaßt worden — und der reuige Sünder wird auf den bcsecligcnden Pfad der himmlischen Tugend zurückgcführt: er hat gebetet und ist mit seinem Gott nun versöhnt. Endlich, theure Freundin, ist das Gebet das schönste. Las heilsamste Labsal und sehr oft die einzige Erqui« ckung für denjenigen, dem seine Stunde schlagt, den das unerbittliche Schicksal diesen Schauplatz zu verlassen befiehlt und vor ein hohes Forum ladet, Rechnung dort abzule« gen: sein nahes Ende ist da, schon schwinden seine Gedanken, die Sinne vergehen, alles hat ihn schon verlassen und nichts spricht ihm Trost zu, keinen Begleiter sicht er auf feiner weiten Reise — über das Grab hinaus blickt sein brechendes Auge, es sicht die Ewigkeit, «in erbarmender Gott ist hier der Menschenrichter, «in Blick zu ihm, «18 Laut» ein Seufzer noch, ein Gebet: ״In deine Hand übergebe ich meine Seele, Du erlösest mich. Ewiger, Gott der Wahrheit!" und ruhig schlummert er hinüber in jenes Land, wo Furcht verschwindet und kein Tod mehr wohnt. - - Da sehen Eie, meine theure Freundin«, welch eia' besceligendes Geschäft das Gebet einem Jeden in jeder Lage ist, und wie sehr diejenigen zu bemitleiden sind, die es mit gleichgültigen Augen betrachtend, nicht begreifen wollen, wie innig dasselbe mit der ächten Religiosität verbunden, so wie mit dem Leben dss Athmm; wie es Balsam für jede Wunde, Trost für jedes Leiden, Stärkung für